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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Fanfictions
Grimmy Offline

Oko-sama


Beiträge: 4.982

14.03.2010 20:14
Love and hate lie at close quarters antworten

Love and hate...

„Ah...“

Grimmjow Jeagerjeaquez gähnte geräuschvoll und ohne sich die Hand vor den Mund zu halten, streckte sich gleichzeitig wie eine faule Hauskatze, ehe er sich von der Mauer abstieß und über den Schulhof schlenderte.

Die Sonne schien angenehm warm auf seine gebräunte Haut, obwohl die Temperaturen nur 3°C betrugen und sogar jetzt im Februar noch Schnee auf den Straßen Karakura Towns lag...beschissenes Wetter.

Gelangweilt wandte er den Kopf zur Seite, wo ein paar Blagen Fußball spielten...die meisten seiner Mitschüler befanden sich in der Halle, wo es eine Heizung gab- die er ebenfalls bevorzugte.

Eigentlich war das alles hier voll für den Arsch und er hatte sowieso vor, sich einen Job zu suchen, wenn er seinen Abschluss auf dieser asozialen Schule gemacht hatte...wer hatte schon Bock zu studieren?

Er sicher nicht, wo er sowieso gerade mal mit seinen Vieren über die Runden kam...ab und zu mal eine Drei, das reichte dem Blauhaarigen.

Außerdem war er in Sport gut, das einzige Fach, in dem er mit guten Noten glänzte- und in dem er die arroganten Streber so richtig vermöbeln konnte, was dann als Unfall getarnt wurde.

Er grinste; manchmal konnte Leben auch Spaß machen.


Leicht schauderte er, als ihm der kalte Wind durch seine mit hellem Pelz besetzte, schwarze Jacke fuhr- scheiße, wie er den Winter haßte!

Gerade wollte Grimmjow sich umdrehen und zurück in die beheizte Pausenhalle zurückgehen, als ihm etwas Grünes ins Auge stach, ihn innehalten ließ.

Verächtlich schnaubte er, als er Ulquiorra Cifer erkannte- auf einer der häßlich rotbraun angestrichenen Bänke sitzend und mit einem Buch in der Hand.

Ein Buch...das allein war ja schon beknackt! Sie starrten den halben Tag in Bücher oder an die Tafel und mussten nachdenken...warum las der Freak auch noch in der Pause?

Konnte ihm ja eigentlich auch egal sein, was der komische Emo in seiner Freizeit tat...andererseits schrie das geradezu nach einem Denkzettel.

Grinsend bückte sich der Neunzehnjährige, griff mit den Händen in die weiße Masse auf dem Boden und formte diese dann solange, bis er eine feste Kugel hielt.

Ulquiorra war noch nicht lange in ihrer Klasse...vielleicht drei Monate und er hatte in dieser Zeit weder Freunde gefunden, noch war er einer AG beigetreten, geschweige denn dass er bei schulischen Veranstaltungen auftauchte...wenn man es genau nahm, starrte er immer nur mit dieser Trauermiene vor sich hin oder in seine Bücher.

Und in Sport fehlte er immer.

Seltsamer Typ...Grimmjow schnaubte, schätzte schon mal die Entfernung ab, damit er auch ja nicht daneben traf- das wäre zu peinlich.

Die Bombe sollte auf jeden Fall einschlagen!

Vom ersten Tag an hatte der Blauhaarige den Neuen nicht leiden können...und dieser ihn anscheinend ebenso wenig.

Dabei hatte er ihn nur aufziehen wollen, als er ihn gefragt hatte, ob er ihnen nicht mal seine Rasierklingen zeigen wollte.

Im Ernst, der Typ lackierte sich die Fingernägel schwarz. Schwarz! Und dann diese Miene...mit dem stimmte doch eindeutig was nicht.

Ulquiorra hatte es jedenfalls nicht witzig gefunden, ihn mit einem Blick tiefster Verachtung bedacht.

Grimmjow erinnerte sich genau an das eine Wort, das der andere ihm entgegen geschleudert hatte, in so monotoner Tonlage, dass es ihn geschaudert hatte.

/Abschaum!/

Arroganter Scheißkerl...was fiel dem ein, ihn Abschaum zu nennen?

Wenn dann war er ja wohl der Abschaum! So häßlich wie der Kerl war, war es ja kein Wunder, dass er deprimiert sein musste.

Er knirschte mit den Zähnen, als er daran zurückdachte und holte aus, warf den Schneeball dann mit so viel Wucht wie möglich nach dem um ein Jahr Jüngeren- und traf ihn an der Schläfe.

Mit Genugtuung beobachtete er, wie sein Wurfgeschoß mit einem leisen Platschen mit der ungewöhnlich blassen Haut kollidierte, was Ulquiorra zum Zusammenzucken bewegte.

Ganz langsam hob er die Hand zu seinem Kopf, strich sich die eiskalte Masse aus dem nun feuchten, schwarzen Haar...dann richteten sich die smaragdgrünen Augen auf Grimmjow.

Letzterer grinste immer noch, schaute zu, wie ein paar Tropfen über Ulquiorras bleiche Wange glitten und von seinem Kinn auf die Seiten seines noch aufgeschlagenen Buches tropften.

Missbilligend nahm auch der Getroffene dies zur Kenntnis, schlug den Wälzer zu und verstaute ihn mit ruhigen Bewegungen in seiner Tasche.

Dann erhob er sich, schulterte seinen Rucksack und ging ruhigen Schrittes auf den Blauhaarigen zu, der ihn nur argwöhnisch betrachtete.

Ulquiorras Blick blieb so starr wie eh und je...während er einfach nur an ihm vorbei ging.

„Abschaum.“

Grimmjow fuhr wutschnaubend herum, kaum dass der Jüngere das Wort ausgesprochen hatte, packte den anderen hart an der Schulter und riss ihn herum.

So etwas musste er sich nicht sagen lassen!

„Was hast du gesagt?!“, grollte er bedrohlich, doch Ulquiorra beeindruckte das nicht.

„Anscheinend bist du nicht nur auf einem äußerst kindischen Niveau hängen geblieben, sondern auch noch taub.“

Damit umfassten die dünnen, porzellanfarbenen Finger unerwartet kraftvoll sein Handgelenk und wischten es von seiner Schulter, als wäre er Ungeziefer.

„Fass mich nie wieder an! Grimmjow Jaegerjeaquez.“


Angesprochener starrte seinen Gegenüber nur ungläubig an, sah zu, wie dieser ihm den Rücken kehrte und wohl gehen wollte.

Grimmjow knurrte; das würde er nicht zulassen! Er ließ sich doch nicht bloßstellen!

Also griff er nach vorn, zerrte dem Kleineren seine Tasche weg und kippte den Inhalt auf den Boden.

Ulquiorras Züge blieben unbewegt, aber Grimmjow entging das unterschwellige Funkeln in den grünen Iriden nicht.

Grinsend schmiss er ihm den Rucksack vor die Füße, lachte auf.

„Viel Spaß beim Aufsammeln, Idiot!“, meinte er spöttisch, wollte sich nun selbst umdrehen und verschwinden- als ihn unerwartet eine Faust ins Gesicht traf.

Perplex fasste er sich an die schmerzende Wange, sah zu dem Schwarzhaarigen, der soeben die Faust sinken ließ und sich nun daran machte, seine bereits nassen Hefte und Bücher einzusammeln.

Wütend, dass der andere ihn nun wieder ignorierte, trat er ihm in die Seite, sorgte somit dafür, dass Ulquiorra das Gleichgewicht verlor- woraufhin er sich in Grimmjows Bein krallte, was diesem den Halt nahm und mit runter zog.

Nun lagen sie beide im nassen Schneematsch, starrten einander feindselig an...und gingen dann richtig aufeinander los.

Der Blauhaarige packte Ulquiorra an dessen Schal, zog ihn zu sich und wollte ihm eine reinhauen- jedoch fing der zierliche Junge seine Hand ab, drückte sie zurück- woher nahm dieser Pimpf eigentlich seine Kraft?

Fruchtzwerge?


Er schnaubte, zog ruckartig an dem hellgrün gemusterten Schal, nahm dem anderen somit einen Moment den Atem und befreite seine Faust.

Im gleichen Augenblick fing er sich selbst eine ein, spürte wie sich die schwarzen Nägel in sein Handgelenk bohrten und den Griff lockerten, ehe er Ulquiorra „versehentlich“ strangulieren konnte.

Ein Knie traf ihn unsanft in den Magen, dafür rammte er dem Schwarzhaarigen den Ellenbogen gegen das Kinn.

Um nicht noch mehr von solchen Treffern einkassieren zu müssen, drückte er den anderen zurück in den Schnee, setzte sich auf seine Hüften.

Ulquiorra blieb nur nicht still und ließ alles mit sich machen, stattdessen stemmte er sich wieder hoch und rammte dem anderen die flache Hand direkt gegen den Adamsapfel, brachte ihn zum Würgen.

Diesen Effekt ausnutzend vergrub sich die noch freie Hand in seinem Haar, riss ihn grob zur Seite und plötzlich war er es, der unter Ulquiorra lag.

Keuchend versuchte er, seinen Gegner von seinen Beinen zu schubsen, doch der hielt sich, konnte aber dem Schlag in den Magen nicht ausweichen.

Zwei Sekunden später schlangen sich die bleichen Hände um seinen Hals, drückten zu- und im Gegenzug haute Grimmjow ihm noch eine rein.

Das Gerangel dauerte geschlagene 10 Minuten, in denen es keinen eindeutigen Sieger gab, da sie die Führung immer wieder wechselten und jeder heftig was abbekam.

Mittlerweile hatten sich schon einige andere Schüler um sie versammelt- er hörte Nnoitras anfeuerndes Gekreische...dieser blöde Arsch konnte ihn mal.

Er schmeckte Blut in seinem Mund, hatte sich auf die Zunge gebissen, als Ulquiorra ihm einen schönen Schlag zwischen die Augen verpasst hatte...wenn das mal keine Beule gab.

Dafür blutete des anderen Nase und die grüne Jacke war auch hin- gut dass seine eigene schwarz war.

„Reiß der Emo-Schlampe den Arsch auf, Grimmjow!

Sonst reiß ich dir deinen auf, du Pussy!“

Grimmjow knurrte, versuchte gerade die Finger Ulquiorras von seinem Hals zu lösen; wenn er mit dem fertig war, stand Nnoitra direkt auf Platz zwei der roten Liste.

Ulquiorras Ausdruck war kälter geworden und ihm schien, als wollten ihn die grünen Iriden totstarren...aber ansonsten hatte sich nichts an seinen Zügen geändert.

Schmutzig triefende Haarsträhnen hingen ihnen beiden im Gesicht...und da Ulquiorra so helle Haut hatte, glich er momentan einer Kalkleiche.

Dieser beschissene Freak...dem würde er zeigen, was es hieß, sich mit ihm anzulegen.

Dazu kam es jedoch nicht mehr, da in diesem Augenblick Ochi Misato angerannt kam und so freundlich sie sonst schaute, so wütend tat sie es jetzt.

„Auseinander! Sofort! Das ist hier kein Schlägerasyl, sondern eine Schule!“


Grimmjow zuckte zusammen, als sie ihm eins mit dem Klassenheft überzog- warum eigentlich ihm und nicht Ulquiorra?!

„Ich bin wirklich enttäuscht!

Und ihr geht wieder in eure Klassenräume! Los!“, scheuchte sie die Gaffer weg.

Grimmjows saphirblaue Augen trafen auf die Smaragde Ulquiorras...eine stille, grimmige Übereinkunft...dann löste sich der Griff um seinen Hals und er hörte auf, den Magen des anderen zu bearbeiten.

Taumelnd erhoben sie sich- Grimmjow bemerkte nur am Rande, dass sein Gegner gedankenverloren auf die nun völlig durchweichten, teilweise zerrissenen Schulsachen blickte- es troff immer noch Blut aus seiner Nase.

Pech gehabt, war alles, was der Blauhaarige dazu dachte und er grinste schadenfroh, wofür er sich gleich noch eine mit dem Heft fing.

„Wirklich, Grimmjow! Ich hätte selbst dir nicht zugetraut, dass du es Ulquiorra so dermaßen schwer machen würdest...seine Sachen sind ja ganz zerfetzt!“

Ungläubig starrte Genannter seine Lehrerin an, ballte die Fäuste.

„Sind Sie blind oder was?! Als ob der Emo mir keinen aufs Maul gegeben hätte!!

Warum bin ich jetzt allein Schuld?!“, blaffte er die braunhaarige Frau an, die sich nicht einschüchtern ließ.

„Ulquiorra hat sich sicherlich gewehrt, weil du ihn gemobbt hast“, stellte sie fest.

Mobben?! Wegen einem Schneeball? Die hatte sie doch nicht mehr alle...war Kalkleiche jetzt ihr Lieblingsschüler? Fanden Weiber solche Heulsusen toll? Er verstand es nicht.

„Sie ticken doch nicht mehr sauber! Er hat mich beleidigt!“, fauchte er eine Spur trotziger zurück.

Ulquiorra kümmerte sich schon nicht mehr darum, sondern sammelte seine malträtierten Unterlagen ein, stopfte sie in den eingesauten Rucksack.

„Stimmt das, was er sagt, Ulquiorra?“, fragte Ochi den Schwarzhaarigen ruhig und Grimmjow rechnete fest damit, dass er nun alles abstreiten würde.

„Ja.“

Was war denn mit dem los? Gehirn durchgeweicht?

„Ich verstehe...nun, ihr solltet euch bei dem jeweils anderen entschuldigen!“, entschied die zuerst ebenso verblüffte Lehrerin dann ernst.

„Los! Ich will sehen, wir ihr euch die Hand gebt!“, forderte sie, verschränkte die Arme.


Eindeutig zu viel verlangt...er würde sich bestimmt nicht bei diesem Spinner entschuldigen!

„Vergessen Sie es!“, knurrte er, während Ulquiorra nur ein knappes „nein“ verlauten ließ.

Mit einer sichtbaren Zornesader an der Schläfe nickte Ochi, sah zwischen den beiden her- der Jüngere stand noch immer mit dem Rücken zu ihnen, machte gerade seine Tasche zu.

„Ihr seid suspendiert! Ab sofort! Für die ganze Woche! Ab nach Hause mit euch! Und wenn ihr wieder klar im Kopf seid, werdet ihr über diese Prügelei nachdenken und hoffentlich begreifen, was ihr für einen Mist gebaut habt! Bis dahin will ich euch hier nicht mehr sehen!“

Mit dieser kleinen Volksrede schritt Ochi von dannen, ließ sie beide wie begossene Pudel stehen.



„Das ist alles deine Schuld, du Penner“, murrte Grimmjow ein paar Minuten später.

Wie erwartet kam keine Antwort von dem Schwarzhaarigen, der still neben ihm her ging- anscheinend hatten sie auch noch den selben Heimweg.

Klasse...

Grimmjow schauderte, als ihm der eisige Wind durch die nun völlig nassen Klamotten blies- scheiße, war das kalt!

Jetzt hasste er diesen blöden Winter und diesen verdammten Emo noch viel mehr als vorher.

„Hatschie!“

Na toll...und etwas eingefangen hatte er sich so wie es sich anhörte auch.

Das war ja super, nein wirklich, er hatte den Jackpot geknackt.

„Ist dein Maul zugefroren oder was?“

Ulquiorra reagierte zuerst nicht, schaute weiterhin geradeaus, ohne ihn zu beachten.

„...die Bezeichnung Abschaum ist für dich völlig gerechtfertigt.“

Grimmjow knirschte zornig, funkelte ihn von der Seite her an; was fiel diesem kleinen Mistkerl eigentlich ein?

„Die Prügel von gerade hat dir wohl noch nicht gereicht?“

Unvermittelt gab Ulquiorra ein leises Schnauben von sich, welches sehr gut ausdrückte, was er davon hielt.

Mürrisch musterte der Ältere den anderen, fragte sich gleichzeitig, ob dieser nicht fror...immerhin schaute er ebenso nass und zerrupft aus wie er selbst.

Dass man Ulquiorra seine Emotionen nicht ansah, war echt nervtötend.

„...du kannst einen echt nerven“, sprach er seine Gedanken auch sogleich laut aus, steckte die Hände in die Hosentaschen- seine Finger fühlten sich an, als würden sie gleich absterben.


Plötzlich blieb Ulquiorra stehen, holte etwas aus der mitgenommenen Jackentasche.

Einen Schlüssel, wie der Blauhaarige nach Kurzem feststellte...und dann wandte sich der Jüngere einfach ab, ging auf einen der Häuserblocks zu.

Hier wohnte der Freak? Dann hatte er es ja nicht mal so weit wie er selbst...er durfte locker noch eine Viertelstunde durch den Schnee latschen.

Daran war nur dieser miese Scheißkerl Schuld...und- Grimmjow hielt inne.

Schweigend beobachtete er, wie Ulquiorra den Schlüssel in das Schloß steckte und ihn herumdrehte.

Er grinste.


Kaum dass der Schwarzhaarige die Tür offen geschlossen hatte, packte er ihn hart an der Schulter und schob ihn zur Seite, betrat selbst das Treppenhaus.

Er spürte Ulquiorras Blick in seinem Rücken, drehte sich halb zu ihm um.

Der Schwarzhaarige runzelte leicht die Stirn.

„Was soll das werden...Grimmjow?“

Er zuckte mit den Schultern, lehnte sich an das Geländer und grinste ihn weiter unverfroren an.

„Dank dir frier‘ ich mir den Arsch ab...also ist es selbstverständlich, dass ich mich bei dir aufwärmen darf.

Außerdem will ich wissen, wie so‘ n verklatschter Typ wie du wohnt.“

Vielleicht fand er ja was Interessantes? Versoffene Eltern möglicherweise- nein, das war seine eigene Geschichte, weg damit!

Aber wie wäre es mit peinlichen Babyfotos oder einem Tagebuch?

Sein Grinsen wurde noch eine ganze Spur breiter, als er sich Ulquiorra vorstellte, wie der seine tiefsten Empfindungen in ein glitzerndes, rosafarbenes Buch schrieb.

„Ich hoffe für dich, dass das ein absolut unangebrachter Scherz ist.“

Ulquiorra klang keineswegs erfreut, aber auch nicht aufgebracht über dieses Vorhaben.

Er funkelte ihn provozierend an, überwog gerade die Neugierde seine körperliche Verfassung.

„Nein, das ist mein Ernst...oder hast du was zu verbergen, eh?“

Unbeeindruckt schritt Ulquiorra an ihm vorbei, anvisierte die Treppenstufen.

„...keineswegs. Ich sehe nur keinen Grund, Abschaum wie dich in meine Wohnung zu lassen.“

Grimmjow knirschte mit den Zähnen, folgte dem anderen unnachgiebig zu dessen Wohnung- die im dritten Stock lag, wie er feststellte.

„Hältst dich wohl für was besseres?“

„...“

„Arschloch!“


Ulquiorra sagte wieder nichts, schloss stattdessen die Tür seiner Wohnung auf und wollte diese wohl auch gleich hinter sich schließen- wenn ihn Grimmjows Fuß nicht daran gehindert hätte.

Blau traf auf grün und einen Moment wirkte es so, als würden sie gleich wieder aufeinander losgehen...doch bevor es dazu kam, lockerte sich Ulquiorras Griff widerwillig und der Blauhaarige konnte somit eintreten.

Schon irgendwie seltsam, dass der Emo so schnell nachgab...aber gut, er würde sich nicht beschweren; vielleicht fühlte sich Ulquiorra ja ebenso durchgefroren wie er selbst und mied deshalb eine erneute Auseinandersetzung.

Grimmjow ließ den Blick durch den Flur schweifen, konnte aber nichts Interessantes ausmachen...geschweige denn hören.

Entweder waren seine Eltern gerade nicht da oder er lebte wie er selbst allein- eine Freundin schied sofort aus, konnte sich der Blauhaarige kaum vorstellen, dass der Typ zu irgendeiner Art Beziehung fähig war.

Außerdem standen da viel zu wenig Schuhe.


Ansonsten ließ sich vom ersten Eindruck nicht viel behaupten; die Wände waren weiß gestrichen, neutral halt und dazu schwarze Schränke- keine Fotos oder sonst eine persönliche Note.

Aber was hatte er auch erwartet?

Grummelnd zog er sich die Schuhe aus, schälte sich danach die nasse Jacke vom Körper und hängte diese ungefragt am Kleiderständer auf, was Ulquiorra mit kritischem Blick verfolgte.

„Was?!“, blaffte er grob.

„...der Boden. Du tropfst ihn voll.“

Tatsächlich bildete sich zu seinen Füßen langsam eine kleine Pfütze...na ja, und wenn schon!

War ja nicht seine Wohnung; er grinste, da ihm gerade noch was eingefallen war.

„Kannst ja wischen, während ich dein Bad benutze“, schlug er unverfroren vor.

Ulquiorra wirkte einen Moment lang, als würde er ihn gleich wieder würgen, wenngleich sich dieser Wunsch nur in seinen Augen zeigte...dann schlug er diese nieder, deutete mit dem Finger auf die erste Tür rechts.

Aha? Hieß das, dass er tatsächlich bei ihm duschen durfte? Woher der Sinneswandel?

Oder wollte ihn der Freak loswerden, weil er Angst hatte, dass er hier Chaos veranstalten würde?

Diese Vermutung war schon recht naheliegend...und wahrscheinlicher als die, dass er nicht wollte, dass Grimmjow sich eine Erkältung zuzog.

Na ja, konnte ihm ja auch egal sein, weswegen er es nun erlaubte; nein sagen würde er auf keinen Fall!



Wenig später stand er unter der Dusche, genoss das wohlige Prickeln des heißen Wassers auf seiner Haut, während seine Klamotten auf der Heizung trockneten.

Enttäuschenderweise hatte er auch im Bad nichts allzu Persönliches gefunden, wenn man die Zahnbürste außer Acht ließ.

Weiß und schwarz...und ein paar grüne Handtücher...sonderlich farbenfroh schien Ulquiorra nicht nur, was sein Aussehen anging, zu sein.

Wenn Grimmjow da an seine Wohnung dachte...da hingen überall Poster oder Bilder von irgendwelchen Personen oder Dingen, die ihm relativ wichtig waren.

Er war kein emotionaler Mensch, aber so leere, weiße Wände wie diese hier würden ihn auf die Dauer depressiv machen...aha! Jetzt hatte er den Grund für Ulquiorras dauerhafte Trauermiene gefunden!

Dies Einrichtung konnte einen ja nur in diese scheiß Stimmung versetzen...da wunderte es ihn nicht, dass hier niemand sonst wohnen wollte.

Schnaubend drehte er das Wasser ab, zog dann den Plastikvorhang beiseite und griff nach einem der flauschigen, großen Handtücher, das natürlich grün sein musste.

Er schüttelte den Kopf, trocknete sich dann ab und warf einen kurzen Blick in den Spiegel- nein, er war nicht eitel...aber gut aussehen konnte man ja trotzdem.

Aber er sah sowieso immer besser aus als der Freak, dem diese Bude gehörte.

Nachdem er sich einen Moment betrachtet hatte, ging er zu seinen Klamotten, stellte fest, dass diese immer noch feucht waren...Mist, verfluchter!

So schnell ging das also doch nicht...hätte er sich ja denken können.

Und nun?

Er stöhnte frustriert auf, wickelte sich dann das Handtuch um die Hüften und schloss die Tür auf, öffnete diese nur um einen Spalt.

Kein Ulquiorra.


Grimmjow runzelte die Stirn, trat dann ganz zur Tür raus und bog um die Ecke, wo er das Wohnzimmer vermutete.

Dabei war er allerdings etwas zu hastig- und fand sich zwei Sekunden später auf dem Boden liegend wieder...direkt auf seinem "Gastgeber", der ihn geradezu erschrocken aus seinen Smaragden anstarrte.

Wie dünn Ulquiorra wirklich war, fiel ihm erst jetzt auf, als er den sehnigen, mit einem weißen Sweatshirt bekleideten Körper unter seinem eigenen muskulösen fühlte...richtig zerbrechlich.

"...geh sofort runter von mir", riss ihn die bedrohlich leise Stimme des Schwarzhaarigen aus seinen Gedanken.

Grimmjow murrte, tat aber, was der andere verlangte- immerhin war ihm das auch unangenehm.

"...du bist doch in mich reingerannt!", behauptete er kaum dass er wieder stand.

Allerdings schien der Jüngere ihm nicht wirklich zuzuhören, erhob sich selbst und wandte das Gesicht dann augenblicklich zur Seite.

"Hör auf, Unsinn zu reden und zieh dir was über."

Irritiert hielt der Größere inne und schaute an sich hinab, nur um festzustellen, dass das Handtuch nicht mehr an seinem Platz saß.

Grummelnd zog er sich dieses wieder über die Intimstellen, warf dann einen belustigten Blick zu Ulquiorra, der immer noch konsequent in die andere Richtung starrte...nein, wie niedlich.

"Du musst wohl doch ein Mädchen sein, wenn du bei sowas rot wirst", zog er ihn auf, wissend, dass der blasse Junge keinesfalls errötet war.

Eben jener wandte ihm nun wieder den Blick zu, sah emotionslos drein wie eh und je.

"Verwechsel Scham nicht mit Ekel."

Grimmjow knurrte, verspürte wieder dieses Verlangen, dem anderen an die Gurgel zu gehen.

"Wenn du jetzt endlich fertig mit stundenlangem Baden bist, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du dich solange ich dusche still im Wohnzimmer aufhalten würdest...und solltest du irgendetwas- der Fernbedienung ausgenommen- anfassen, sei dir gewiss, dass ich dich eigenhändig in der Toilette ertränken werde."

Ulquiorra machte eine kurze Pause.

"Verstanden?"


Wow...so viele Worte hatte er noch nie über diese schwarzen Lippen kommen hören...wurde der Freak jetzt krank? Und dann drohte er ihm auch noch so unverschämt...dämlicher Pimpf.

Andererseits...warum herumstreiten? Er würde sich ja doch nicht dran halten, was der dusselige Emo ihm da vorschrieb, also nickte er nur grinsend.

"Klar doch~! Alles, was Ulquiorra-chan von mir verlangt!", gab er übertrieben spöttisch zurück und wuschtelte dem anderen durchs Haar.

Hätte er lieber nicht tun sollen, da eben jener ohne zu zögern sein Handgelenk umschloss und es ihm so schmerzhaft umdrehte, dass er aufkeuchte; scheiße noch mal! Betrieb der Schwachmat irgendeine Kampfkunst?!

"Halt dich dran", gab dieser tonlos zurück und schritt infolge dessen einfach an ihm vorbei.

"Hey! Und was ist mit Klam-", das Knallen der Tür erstickte seine Frage im Keim.

Dieser kleine Bastard...



Wenig später lag Grimmjow Jeagerjaquez auf einer schwarzen Ledercouch- viel Knete hatte der Typ also auch noch- und zappte gelangweilt durch das Programm, in dem nichts Vernünftiges zu finden war.

"Mist...", brummte er entnervt, schaltete die Glotze wieder aus und streckte sich dann gähnend, legte einen Arm über die Couchlehne, während eines seiner Beine unruhig über dem Boden baumelte.

Keine Fotos...selbst im Wohnzimmer nicht, man, was war Ulquiorra bloß für ein komischer Kauz?

Und zudem diese Sauberkeit und Ordnung...nicht ein Gegenstand schien fehl am Platz.

Wenn Grimmjow da so an seine eigene Wohnung zurückdachte...oi...

Trotzdem fühlte er sich dort wohler, dreckige Socken hin oder her...war immer noch besser als diese sterile Bude, in der man das Gefühl bekam, sie stünde leer.

Leblos war genau das richtige Wort dafür...als würde hier ein Geist hausen...und wenn man bedachte, dass Ulquiorra mit seiner hellen Haut ziemlich tot wirkte, passte der Vergleich hervorragend.

Grimmjow erhob sich mit einem Ruck, wobei das Handtuch wieder ein Stück von seinen Hüften rutschte.

Warum saß er hier überhaupt rum? Hatte er den Emo nicht ausspionieren wollen?

Vorfreudig grinsend spazierte er durch die Wohnung, fand neben dem Wohnzimmer die Küche, aus deren Kühlschrank er sich zunächst einmal etwas Sushi klaute.

Schmeckte gar nicht schlecht, wie er zugeben musste.

Teilweise befriedigt leckte er sich die Finger ab, stellte die nun nicht mehr mit allzu ordentlicher Folie umwickelte Platte wieder zurück in den Kühlschrank und suchte dann nach Ulquiorras Zimmer.

Dieses war auch bald gefunden...und nicht abgeschlossen; Grimmjos Grinsen wurde noch um eine Spur breiter, als er die Klinke runterdrückte und eintrat.


Wie zu erwarten leuchtete ihm weiße Tapete entgegen...selbst in seinem Zimmer wirkte alles so schrecklich neutral.

Schulternzuckend machte der Blauhaarige sich daran, die Schubladen zu durchsuchen, fand zu seiner Enttäuschung allerdings nicht mehr als ein paar CDs von irgendwelchen ihm unbekannten Bands und Bücher...war ja klar, dass jemand wie Ulquiorra solch einen Schund las.

Mit eher geringer Erwartung öffnete er die Letzte der Schubladen, fand auch darin nur ein paar Bücher, weshalb er sie sofort wieder schließen wollte...allerdings ließ ihn etwas daran innehalten.

Grimmjow runzelte die Stirn, holte das eher dünne Buch heraus und schlug ungeduldig die Seiten um, wurde auch schon nach kurzer Zeit fündig.

Neugierig begutachtete er den vergilbten Umschlag, öffnete ihn nach kurzem Zögern und holte ein bedrucktes Papier heraus, las die gedruckten Zeilen aufmerksam durch.

Und je mehr er las, desto fassungsloser wurde er...


Anscheinend waren Ulquiorras Eltern bei einem Autounfall gestorben, als dieser fünf Jahre alt gewesen war...die Vormundschaft hatte ein entfernter Verwandter aufgetragen bekommen...Aizen Sousuke, anscheinend sein Onkel.

Und wenn er diesen Bericht richtig interpretierte, hatte dieser Typ ihn sowohl körperlich als auch geistig missbraucht, was ihm einen sechsjährigen Aufenthalt in einer psychatrischen Klinik eingebracht hatte.

Hin und wieder wurde etwas von Bulimie erwähnt...so wie von selbstgefährdendem Verhalten...aber laut dem Papier galt der Schwarzhaarige seit drei Jahren als geheilt.

Grimmjow realisierte nicht, dass seine Hände zitterten; und da hatte er immer geglaubt, sein Leben sei der letzte Dreck...Scheiße, wenn Ulquiorra ihn hier beim Lesen seiner-


"...macht es Spaß...Abschaum?"


Der Blauhaarige zuckte heftig zusammen, traute sich kaum, sich zu dem Schwarzhaarigen umzudrehen.

Oh Mist...

Er schluckte hart, packte das Briefpapier dann schnell wieder in den Umschlag und quetschte ihn zurück ins Buch.

"...ist echt langweilig, was du da drin hast...aber war ja k-"

"Verarsch mich nicht!", schnitt ihm die eiskalte Stimme das Wort ab.

Grimmjow schluckte abermals, konnte den Hass, der ihm entgegen schlug, fast spüren...aber woher hätte er auch wissen sollen, dass er gleich auf sowas stoßen würde?

Langsam drehte er sich zu Ulquiorra um und wünschte sich wirklich, er würde nicht nur ein Handtuch tragen...in dieser Situation kam er sich selbst dämlich vor.

Eigentlich hatte er das ja gewollt...einen Skandal über den anderen zu erfahren...diesem auf den Zahl zu fühlen.

Dummerweise hatte er nicht damit gerechnet, dabei auf diesen kaputten Psychoscheiß zu stoßen...er hatte das alles nicht über Ulquiorra erfahren wollen.

Eben dieser spießte ihn geradezu mit seinen grünen Iriden auf, hatte die Hände zu Fäusten geballt und Grimmjow war nicht sicher, ob es die Wut war, die ihn so zittern ließ.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass der andere selbst nicht mehr als er am Körper trug und er verstand endlich, warum Ulquiorra nie am Sportunterricht teilnahm...diese Narben hätte er auch niemandem zeigen wollen.

Vor allem weil sie überall zu sein schienen...auf den Armen, an den Beinen, auf der schmächtigen Brust...Schnitte oder auch ganze Flächen, vielleicht Brandwunden.


"Möchtest du nicht lachen...Grimmjow? Ist es nicht das, was du wolltest? Mich bloßzustellen?"

Wieder dieser Ton, der ihm eine Gänsehaut einjagte...und das Beschissenste war, dass Ulquiorra Recht hatte...genau deshalb war er gekommen.

Also konnte er sich nicht einmal rechtfertigen...nicht ohne zu lügen.

"Ich-", begann er, wurde aber sofort unterbrochen.

"Raus hier! Sofort!"

Er blickte den anderen zögernd an...dann nickte er schweigend und rauschte an ihm vorbei, um seine Klamotten aus dem Bad zu holen.



Ulquiorra blieb dort stehen, bis er die Haustür zuknallen hörte...erst dann erwachte er aus seiner Starre, betrat lautlos sein Zimmer und kniete sich neben die Schublade.

Zaghaft umfassten seine feingliedrigen Finger diese und zogen sie auf, holten das Buch hervor und blätterten solange, bis sie das Foto fanden, das Grimmjow in seiner Hast wohl nicht entdeckt hatte.

Geradezu zärtlich strich er über das Bild des Mannes, wegen dem er sechs Jahre lang in dieser verdammten Irrenanstalt hatte sitzen müssen...begegnete diesen sanften, braunen Augen...diesem einnehmenden Lächeln.

Und dann knüllte er es mit einem Mal zusammen und warf es in die nächste Ecke.

Wie bitter...dass Liebe und Hass stets so nah beieinander liegen mussten...


Quelle Animexx
Autor: lunalinn





Nichts ist perfekt auf dieser Welt.
Das mag nach einem Vorurteil klingen, aber es ist die Wahrheit.
Der gewöhnliche Mensch bewundert Perfektion und versucht diese zu erlangen.
Aus welchem Grund sollte jemand die Perfektion erlangen?
Es gibt keinen. Keinen einzigen. Nicht den winzigsten Grund.
Ich verabscheue Perfektion.
Wenn etwas perfekt ist, was bleibt einem dann noch?
Perfektion lässt keinen Raum für Träume, keinen Raum, seine Fähigkeiten und Wissen auszubauen.
               
(c) Kurotsuchi Mayuri (Bleach)

Grimmy Offline

Oko-sama


Beiträge: 4.982

15.03.2010 16:53
#2 RE: Love and hate... antworten

...lie at...



Vier Tage war es her, seit Grimmjow von Ochi suspendiert worden war.

Vier Tage lagen zwischen dem Vorfall mit Ulquiorra.

Vier lange Tage, in denen er diesen scheiß Emo und seine noch beschissenere Vergangenheit einfach nicht aus dem Kopf bekam...es machte ihn wahnsinnig.

Die Schuldgefühle machten ihn verrückt...dabei hatte er doch genau auf dieses Ergebnis abgezielt.

Verdammt, er hatte Ulquiorra schon an dessen ersten Schultag alles versaut, indem er diesen blöden Rasierklingenspruch gebracht hatte...aber woher hätte er wissen sollen, wie richtig er damit lag?

Fakt war, dass sein Mundwerk einmal mehr schneller als sein Verstand gewesen war...ebenso wie sein Handeln, für das er nun die Konsequenzen zu tragen hatte.

Idiotisch, wenn man bedachte, dass er seit seinem Auszug aus der Wohnung seiner Eltern mit seinem Gewissen abgeschlossen hatte.

Dass in dieser Welt das Gesetz des Stärkeren galt, das hatte er schon früh lernen müssen...und er hatte diese Regel verinnerlicht, jeden, der ihm nicht passte, nieder gemacht.

Er hatte sich auch nie die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, warum einige Leute sich so verhielten...aber bei ihm hatte sich das ja auch niemand gefragt.

Wenn man es realistisch betrachtete, handelte jeder Mensch egoistisch und war auf seine eigenen Vorteile bedacht.

Er war nicht Schuld an dem, was Ulquiorra passiert war.

Dass er auf diesen Klinik-Bericht gestoßen- na gut, zufällig war das nicht passiert- war, hatte nicht in seiner Absicht gelegen...nicht direkt.

Ursprünglich hatte er auf irgendwas Peinliches gehofft...rosa Wände, Tagebücher oder sonstwas in der Art...alles nur nicht das!


Grimmjow fuhr sich durch das wirre, blaue Haar, das ihm in die Stirn fiel, seufzte entnervt; wegen dieser Aktion konnte er kaum noch schlafen.

War ja eigentlich sowieso egal, da er für die ganze Woche vom Unterricht ausgeschlossen worden war.

Er ließ den Blick durch seine Wohnung, die um einiges unordentlicher als die des Schwarzhaarigen war, schweifen.

Seine Einrichtung stimme farblich nicht wirklich überein...die Wände waren in einem hässlichen Beige gestrichen, während die Stoffcouch in einem dunklen Blau leuchtete und die Schränke bestanden aus so vielen verschiedenen Holztönen, dass man sie kaum zählen konnte.

Ein paar Kleidungsstücke flogen als ungewollte Accessoires durch die nicht sehr geräumige Wohnung und auf dem Tisch stand noch dreckiges Geschirr.

Grimmjow murrte leise, überschlug die Beine, welche er auf selbigem Tisch abgelegt hatte und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf, starrte die Decke an.

Warum konnte er nicht endlich damit aufhören, an Ulquiorra zu denken...das war doch nicht mehr normal.

Dennoch sah er immer wieder diese schreckliche Trauermiene vor sich.


Grimmjow schloss die blauen Augen, atmete durch; warum hatte Ulquiorra ihn überhaupt reingelassen?

Das ergab keinen Sinn, wenn man bedachte, dass sie sich zuvor noch geprügelt hatten.

Seine Gründe hatte er ja mehrmals klargestellt...aber was war mit dem Jüngeren?

Warum hatte der so plötzlich nachgegeben?

Der Blauhaarige zog die Stirn in Falten, während er darüber nachdachte und zu einem Ergebnis zu kommen versuchte.

Er hasste Ulquiorra, Ulquiorra hasste ihn. So einfach war das.

Fehlanzeige...denn seit diesem Vorfall vor vier Tagen konnte er den Freak nicht mehr hassen...vielleicht weil er nun wusste, warum er so ein scheiß Freak war.

Stellte sich die Frage, ob eben jener ihn hasste...eigentlich hätte er nicht gezögert sich diese Frage mit ja zu beantworten, gerade jetzt, nachdem er in des anderen Privatsphäre rumgeschnüffelt hatte.

Zweifellos hasste Ulquiorra ihn spätestens seit diesem Augenblick, in dem er ihn dabei erwischt hatte.


Und davor?

Grimmjow musste zugeben, dass er dem Schwarzhaarigen das Leben nicht unbedingt leichter gemacht hatte.

Weder mit seinen Sprüchen noch damit, dass er seine Schulsachen auf dem Boden verteilt hatte.

Den Schneeball tat er dabei noch als harmlosen Scherz ab...aber der Rest war nicht unbedingt nett gewesen.

Wenn er so drüber nachdachte, war Ulquiorras Beleidigung so ziemlich gerechtfertigt...und auch dass er ihm eine verpasst hatte.

Scheiße! Was ging eigentlich ab mit ihm, dass der Idiot nicht aus seinen Gedanken verschwand und er nun schon damit begann, dessen Verhalten als okay zu empfinden?


Abermals seufzte Grimmjow, erhob sich dann schwerfällig aus seiner Position und ging zum Fenster, um mal ein wenig frische Luft reinzulassen- die würde sein Hirn vielleicht wieder freiblasen.

Missmutig schaute er hinaus, bemerkte, dass es schon wieder schneite...endete dieser Winter denn niemals?

Desinteressiert verfolgten seine saphierblauen Iriden die paar Leute, die so blöd waren, bei diesem Wetter das Haus zu verlassen...war doch viel zu arschkalt.

Dann wandte er sich ab, wollte gerade wieder zur Couch zurückschlurfen und weiter sinnlos über Ulquiorra nachdenken, als es an der Tür schellte.

Klasse...wer hatte denn jetzt wieder vor, ihm auf die Nerven zu fallen?

Murrend ging er an die Tür, öffnete diese und...blinzelte irritiert.


"Hey Grimmjow! Macht dir doch nichts aus, dass wir unangemeldet reinschneien, eh~?", flötete das grünhaarige Mädchen zuckersüß und schubste ihn infolge dessen einfach zur Seite, um sich reinzudrängen.

"Ihr könnt reinkommen, Leute!", rief sie den anderen zu und zwei Sekunden später standen sie zu sechst im Flur.

Grimmjow brauchte einen Moment, um das zu realisieren, starrte die versammelte Mannschaft dann sichtlich erzürnt an.

"Was zum Teufel wollt ihr hier?!", fauchte er auch sofort los.

Neliel tu Oderschvank schenkte ihm eines ihrer süßesten Lächeln und legte nachdenklich den Finger ans Kinn, wobei ihr Fuß auf dem Boden scharrte.

"Hm, wir haben dich vermisst und dachten, wir sollten dich in deiner Einsamkeit besuchen!

Immerhin bist du schon seit vier Tagen suspendiert..."

Eine Braue des Blauhaarigen zuckte, während er seine Mitschülerin am liebsten mit dem Kopf gegen die Wand gedonnert hätte.

"Und deshalb schleppst du diese Proleten in meine Wohnung?!"

"Wen nennst du hier einen Proleten, Grimmjow Jeagerjaquez?!", zischte eine ihm nur zu bekannte Stimme.

"Dich, Nnoitra Jiruga und jetzt beweg deinen fetten Arsch aus meiner Wohnung!", blaffte er zurück, woraufhin die schwarzen Iriden mordlustig aufblitzten.

"Hier wirds mir zu laut...", murmelte Coyote Starrk dazwischen und ging einfach an ihnen vorbei ins Wohnzimmer- vermutlich um in einer freien Ecke zu dösen.

Grimmjow schnaubte, hielt Szayel Aporro Grantz, der dem Braunhaarigen folgen wollte, an dessen Schulter fest.

"Und was hast du bitteschön vor?", knurrte er warnend, begegnete einem falschen Lächeln.

"Ich wollte mir einen Kaffee machen...du erlaubst doch?", säuselte die rosahaarige Brillenschlange und fegte seine Hand weg.

Er wandte sich an Yylfordt, der schon die ganze Zeit so dumm vor sich hingrinste.

"Halte gefälligst deinen scheiß Bruder davon ab, meine Bude auseinanderzunehmen!"

"Sicher doch, Bruder~!", flötete der ältere der Geschwister Grantz und folgte dem Chemie-Fanatiker in die Küche.

Nun stand er nur noch mit Nnoitra und Neliel im Flur, wobei der eine ihn mit diesem fiesen Gesichtsausdruck bedachte und die andere wie ein Honigkuchenpferd strahlte.

Grimmjow resignierte.

"...na schön, dann bleibt halt ne Weile...aber wehe, ihr nervt!"

"Tse..."

"Jippie!!"

Er würde sie aus dem Fenster werfen...allesammt.



Kurze Zeit später saßen sie alle zusammen in Grimmjows Wohnzimmer und ein wenig war er doch froh, nicht mehr allein zu sein...immerhin kreisten seine Gedanken jetzt nicht mehr ausschließlich um Ulquiorra.

"Also...erzähl mal, Grimmjow...wie ist die Sache ausgegangen? Hast du die kleine Emo-Schlampe auseinander genommen? Sie mit deinem Knie gef-"

"Nnoitra...", schaltete sich die einzig weibliche Person im Raum ein, versuchte die vulgären Ausdrücke damit ein wenig zu dämmen...was bei Nnoitra natürlich keinen Erfolg erzielte.

"Fresse, Neliel! Unterbrich mich nicht!"

Grimmjow schnaubte, lehnte sich zurück, während nicht nur der Blick des Schwarzhaarigen auf ihm lag.

Der einzige, der ihn nicht gespannt anstarrte, war Starrk, weil er auf dem Fensterbrett im Sitzen eingepennt war.

Wie einfach er Ulquiorra jetzt in die Scheiße hätte reiten können...zumindest Nnoitra hätten diese Neuigkeiten brennend interessiert und Grimmjow war sich sicher, dass er den grünäugigen Freak damit bis zum Ende ihrer Schulzeit auf eine für ihn übliche perverse Art konfrontieren würde.

Zudem hätten die Gebrüder Grantz dafür gesorgt, dass die ganze Schule Bescheid wusste.

Ein paar Wörter zu viel über das, was er gelesen hatte...


"Der Pisser war viel zu schnell weg...ich hatte gar keine Chance mehr, ihn richtig fertig zu machen, nachdem Ochi-sensei uns unterbrochen hat."

Er zuckte gleichgültig mit den Schultern, ignorierte die teilweise irritierten Blicke der anderen, so wie Nnoitras enttäuschtes Schnauben.

"Dieser Feigling...aber macht ja nichts. Nächste Woche ist er ja wieder da~", freute sich der Langhaarige und grinste boshaft.

Neliel seufzte darüber nur, während Grimmjow sich wieder so mies fühlte...am liebsten wäre er Ulquiorra nie wieder begegnet.

"Auf anderen rumzuhacken, zeugt von Schwäche!"

"Ich zeig dir gleich, wie schwach du bist, Neliel...", drohte Nnoitra, was die Grünhaarige keinesfalls beeindruckte.

Kein Wunder, wo jeder wusste, wie gut sich die äußerlich zierliche Frau verteidigen konnte...nach dem Aussehen durfte man bei einigen Personen wirklich nicht gehen.

"Wie du meinst...", erwiderte sie nur gelangweilt, wollte einem Streit wohl aus dem Weg gehen.


Der Rest der Unterhaltung verlief weitgehend normal, soweit man das bei diesen Leuten sagen konnte.

Nnoitra lästerte über die gesamte Schule ab, während Szayel von einem neuem Chemie-Projekt quatschte, wobei wohl nur Yylfordt zuhörte und Starrk...tja, der pennte friedlich vor sich hin.

Grimmjow nickte nur ab und zu, schweifte aber immer wieder mit den Gedanken ab...ob Ulquiorra wohl nächste Woche zur Schule kommen würde?

Oder befürchtete er, dass Grimmjow seine unfreiwilligen Erkenntnisse vor allen breittreten würde?

Würde er möglicherweise sogar die Schule wechseln?

Vielleicht würde er aber auch so tun, als sei nichts gewesen...wieder allein rumhocken und den Rest der Welt ignorieren.

Er stützte den Kopf auf den Handrücken, verengte leicht die Augen bei diesem Gedanken; ja, das würde zu dem ignoranten Typen passen.

Wie es wohl in so einer Anstalt war? Bestimmt nicht so schlimm wie in gewissen Horrorfilmen, die er kannte...oder doch?

Schaudernd dachte er wieder an die Narben, die sich auf der kalkweißen Haut abgezeichnet hatten...wie konnte man sich selbst so krass verstümmeln?

Oder war das am Ende gar nicht Ulquiorra selbst gewesen, sondern dieser seltsame Onkel?

Diese Geschichte ging einem echt durch Mark und Bein...dabei wirkte der schwarzhaarige nicht einmal psychisch kaputt, sondern einfach nur...deprimiert.

Und allein.


"Grimmjow?"

Er blickte auf, direkt in Neliels graufarbene Iriden, die ihn aufmerksam beobachteten- dann packte ihn eine ihrer zierlichen Hände am Arm und zog ihn mit einer Kraft hoch, die man ihr nicht zutraute.

"Ich hab Hunger, lass uns mal nachschauen, was du so im Kühlschrank hast, ja?"

Und ohne die Antwort abzuwarten oder Nnoites gekrähtem "Bring mir was mit!!" Beachtung zu schenken, zerrte sie ihn mit in die Küche.

Er schnaubte, befreite seinen Arm aus ihrer Umklammerung und blickte sie finster an.

"Du kannst dir auch selbst was machen, das weißt du d-"

"Oh, jetzt stell dich doch nicht dümmer als du bist!", unterbrach sie ihn genervt und lehnte sich gegen die Schränke.

Was hatte die denn jetzt?

"Und jetzt erzähl mal, was wirklich passiert ist. Die Geschichte vorhin kauf ich dir nämlich nicht ab!"

Perplex starrte er die junge Frau an, die auf mit den Füßen auf und abwippte, ihn aber nicht aus den Augen ließ.

"Wie kommst du darauf, dass-", begann er, wurde jedoch erneut unterbrochen.

"Grimmjow! Ich bin nicht so hohl wie Nnoitra...also bitte! Sag schon...was ist weiter passiert?"

Allmählich wurde es wirklich unangenehm...wie kam Neliel darauf, dass da noch mehr war?

Weibliche Intuition? Na, hoffentlich...nicht dass die anderen auch noch Verdacht schöpften.

"Nichts!", brummte er ruppig.

Neliel rollte daraufhin mit den Augen.

"Ist klar...deshalb meldest du dich auch seit Tagen nicht mehr.

Sitzt hier rum und bist mit den Gedanken ganz woanders...verarsch doch bitte jemand anderen!"


/Verarsch mich nicht!/


Er drängte die Erinnerung zurück, erwiderte den Blick seiner Mitschülerin entnervt.

"...warum interessiert dich das?", murrte er dann.

Sie zuckte mit den Schultern, grinste dann leicht.

"Nun, ich bin einfach neugierig, denke ich...vor allem seit mir ein Vögelchen gezwitschert hat, dass du bei Ulquiorra zuhause warst~"

Grimmjow erstarrte, konnte sie nur dämlich anglotzen; woher wusste die Grünhaarige davon?!

"Woher zum-"

"Inoue Orihime hats mir erzählt...bei ihr sind zwei Stunden ausgefallen und zufälligerweise hat sie euch beide in einer Wohnung verschwinden sehen...seiner Wohnung, eh?"

Das breite Grinsen in Neliels Gesicht war geradezu widerwertig und am liebsten hätte er es ihr von den Lippen geprügelt.

"Und wenn schon..."

"Ha! Ich wusste, dass ihr euch besser versteht, als ihr zugebt!"

"Halt den Rand, du blöde Kuh! Das hat nichts zu bedeuten und verflucht noch mal sei leise!!", zischte er die um zwei Jahre Jüngere an, die ihn schmunzelnd anschaute.

"Okay, okay...aber nun sag schon! Wie ist es bei Ulquiorra? Seid ihr jetzt Kumpels?"

Die Frau hatte sie doch nicht mehr alle beisammen.

"Nein! Sind wir nicht! Ich war bloß...da, weil es arschkalt war! Ich hab mich kurz aufgewärmt und bin dann so schnell wie möglich abgehauen, verstanden?! Nichts weiter!"


Einen Moment lang war Neliel still, musterte ihn prüfend, so als überlegte sie, ob sie ihm glauben sollte oder nicht. War ihm doch egal, was sie tat!

Dann seufzte sie beinahe hoffnungslos.

"Du hast es verbockt...nicht wahr? Sicher hast du in seinen Sachen rumgeschnüffelt, was Prekäres entdeckt und er hat dich erwischt...und nun weißt du nicht, wie du dich entschuldigen sollst."

Die Frau schien nicht nur zwei Persönlichkeiten in sich zu haben- wenn die sich mit jemandem schlug, flogen die Fetzen und von dem kindischen Mädchen war keine Spur mehr-, sondern auch noch Gedanken lesen zu können...oder war er tatsächlich so durchschaubar?

"Okay, du hast zu lange geschwiegen, also habe ich Recht!", stellte sie nun fest und setzte sich auf den Tisch direkt vor ihm, stützte sich mit den Handflächen auf diesem ab.

Grimmjow wandte den Blick schnaubend zur Seite.

"Du bist wirklich ein Vollidiot, Grimmjow..."

"Ach ja?! Glaubst du, es kümmert mich, was der dämliche Emo von mir denkt?!", blaffte er aggressiv zurück.

Sein Gegenüber hob eine fein geschwungene Braue.

"Genau das glaube ich...sonst würdest du nicht so aus der Haut fahren. Davon einmal abgesehen...regst du dich derzeit mehr über Ulquiorra auf als Nnoitra...und du weißt, dass sowas eigentlich unmöglich ist.

Ich weiß ja, dass ihr Männer so eure Schwierigkeiten damit habt, jemanden höflich zu fragen, ob er nicht euer Freund sein will...aber was du machst, toppt echt alles!"


"Unsinn!", brummte er nun noch mieser gelaunt.

"Als ob ich das wollen würde...eher geh ich mit dir shoppen!"

Bei dem unheilvollen Funkeln in Neliels anthrazitfarbenen Iriden hätte er sich am liebsten den Mund zugenäht.

Glücklicherweise ging seine Klassenkameradin nicht weiter darauf ein.

"Du solltest das bereinigen!", riet sie ihm, glättete dabei ihren knappen, moosgrünen Rock und sprang schließlich vom Tisch.

Ernst blickte sie ihn an und für den Augenblick war alles Kindliche aus ihren weichen Zügen verschwunden.

"Wirklich...regel das, dann gehts dir auch besser!", riet sie ihm abermals und verschwand anschließend ins Wohnzimmer, um ihre Meute zusammenzutreiben und nach Hause zu scheuchen.

Na, wenigsten etwas...auch wenn sein Gewissen jetzt noch extremer drückte.

Scheiß Situation...scheiß Gewissen...scheiß Neliel...und besonders scheiß Ulquiorra!



Und es verging ein weiterer Tag, an dem er nur auf der Couch hing, und eine weitere Nacht, in der er nicht schlafen konnte...dieses Mal hatte er sogar einen äußerst kreativen Albtraum gehabt, der ihn aus dem Schlaf riss.

Nicht schlecht, wenn man bedachte, dass er pausenlos Splatter gucken konnte ohne auch nur eine einzige schlaflose Nacht...und dass ihm nun, nachdem er bei Ulquiorra gewesen war, irgendwelche verzerrten Bilder von psychisch gestörten Ärzten, die einen mit Skalpellen aufschlitzen wollten, durch den Kopf schossen...und einer dieser Ärzte war Ulquiorra selbst gewesen.

Nun war es bewiesen...er wurde langsam verrückt.

Seufzend drehte er sich auf die Seite, starrte in die Dunkelheit...ehe sein Blick zu seinem Wecker schweifte; 23 Uhr...eigentlich viel zu früh um zu schlafen, gerade wenn man suspendiert worden war.

Was war nur los mit ihm...?

Warum fragte er sich das eigentlich noch, wo er es längst wusste...

Mit schlafen war jetzt jedenfalls nichts mehr.

Eine Alternative wäre mal wieder Fernsehen bis zum Morgengrauen gewesen...und die war um Längen nicht so bekloppt wie die, die er als Plan B ansah.

Allerdings war er sich sicher, dass Plan B der Befriedigendere wäre...und der Beklopptere...


Und so kam es, dass Grimmjow Jeagerjeaquez um 23:15 Uhr durch die Straßen Karakura Towns rannte und sich um 23:30 Uhr vor der Haustür eines ganz bestimmten Freaks wiederfand.

Okay, er war jetzt also offiziell bekloppt.

Seufzend streckte er die Hand aus, hielt einen Zentimeter vor der Klingel inne und überdachte seine hirnrissige Idee noch einmal.

Wie wahrscheinlich war es bitte, dass man ihm überhaupt aufmachen würde...richtig, eins zu eine Million.

Was er hier tat, galt im Allgemeinen als rege Zeitverschwendung...er sollte sich umdrehen und einfach gehen.

Stattdessen hörte er wieder Neliels Stimme in seinem Kopf, die ihn ermahnte, diese Sache endlich zu regeln...wehe, das lohnte sich nicht!

Dann drückte er.

Stille.


Er stand bestimmt fünf Minuten dort unten und wartete...und dann endlich ertönte das leise Summen, das ihm mitteilte, dass er das Treppenhaus jetzt betreten konnte.

Grimmjow schloss die Tür hinter sich, schluckte hart, als er daran dachte, dass es nun kein Zurück mehr gab; wie sah das denn bitte aus, wenn er auf halbem Weg davon rannte?

Genau...selten dämlich!

Mit dieser Erkenntnis entschied er in den sauren Apfel zu beißen und die Treppen bis hoch in den dritten Stock zu laufen.

Als er oben angekommen war, stellte er fest, dass die Wohnungstür verschlossen war...machte der das mit Absicht?

Entnervt knurrend drückte er auch dieses Mal die Klingel, wartete, bis geöffnet wurde.

Und wartete...und wartete...und schließlich stand er sage und schreibe zehn Minuten vor dieser Tür.

Nun wirklich zornig schellte er drei weitere Male hintereinander, bearbeitete die Tür schlussendlich mit den Fäusten- er war doch nicht umsonst mitten in der Nacht hierhergerannt!

"Mach die scheiß Tür auf, du verd-", er hatte den Satz nicht einmal beenden können, als die "scheiß" Tür tatsächlich aufging und ihm ein Paar smaragdgrüner Iriden entgegen sah.

Abschätzend, monoton...typische Trauermiene.


"...Tag", brummte er mit einem Mal nicht mehr so forsch, fühlte wieder das schlechte Gewissen drücken.

Ulquiorra hob kaum merklich eine Braue, während er ihn mit der gewohnten Arroganz bedachte.

Schien dem Mistkerl ja richtig gutzugehen, dafür dass er ihn so rüde aus der Wohnung geschmissen hatte.

Geschlafen hatte er, so wie er angezogen war, auch noch nicht...Jeans und ein schwarzes Sweatshirt.

"Es ist gleich Mitternacht", stellte Ulquiorra anstatt einer Begrüßung fest und seine Stimme klang so desinteressiert wie eh und je.

Grimmjow vergrub die Hände in den Jackentaschen, wich dem stechendem Blick aus.

"Ich weiß...kann ich reinkommen?"

"Nein."

Er knirschte, funkelte den anderen erzürnt an; was dachte sich der?

"Ich bin doch nicht umsonst hergekommen!"

"Anscheinend schon."

Und mit diesen Worten wollte der Schwarzhaarige ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, was Grimmjow verhinderte, indem er seinen Fuß dazwischen stellte.

Wenn das mal kein Déjà-vu gab...


"Was willst du, Grimmjow?", brach Ulquiorra die sekundenlange Stille zwischen ihnen und wieder schienen die grünen Augen ihn zu durchbohren.

"Lass mich rein, dann sag ich es dir", entgegnete der Ältere hartnäckig.

Ulquiorra schnaubte leise...und eine Spur verächtlich.

"Wenn du hoffst, noch mehr solcher Berichte zu finden, muss ich dich enttäuschen. Es gibt nur den einen", schnitt er das eigentliche Thema an.

"...deswegen bin ich nicht hier, okay? Verdammt...lass mich einfach rein! Ich klär das nicht im Flur!", murrte Grimmjow jetzt noch schlechter gelaunt.

Ulquiorra schwieg lange und er rechnete schon nicht mehr damit, dass er ihn reinlassen würde.

Dann trat er jedoch unerwartet zur Seite...wenigstens das hatten sie hinter sich.

Schwere Geburt.


Schließlich hatte sich Ulquiorra dazu herabgelassen, ihn ins Wohnzimmer zu lassen- das noch genauso aussah wie vor fünf Tagen.

Als würde hier niemand wohnen...nein, das war ihm hier definitiv zu steril.

Grimmjow schaute zu dem Schwarzhaarigen, der ihn keines Blickes würdigte, nur starr vor sich hin schaute und wohl darauf wartete, dass er endlich zu reden begann.

"Ähm...also...ich...", begann er, kam aber nicht wirklich weiter.

"Tut mir leid, aber dein unkultiviertes Gestammel ergibt für mich keinen Sinn. Wenn das alles war, kannst du gleich wieder gehen."

Genervt blickte er Ulquiorra an, der allerdings nicht zurücksah.

"Ist ja gut! Halt einfach mal die Backen und lass mich ausreden, verflucht!", wie er des anderen Arroganz hasste.

"Ich höre."

Am liebsten hätte er diesen scheiß Ton nachgeäfft, aber er besann sich, wollte nicht wirklich streiten.

"...wegen letztens...du weißt schon..."

Ulquiorra warf ihm einen kühlen Seitenblick zu.

"Du meinst, als du unerlaubterweise in mein Zimmer gegangen bist, in meinen Schubladen gewühlt und ein Dokument gelesen hast, das dich absolut nichts angeht? Ja, das weiß ich noch."

Autsch. Eins zu null für den Emo...

"...genau das", gab er brummend zu und nun war es an ihm, des anderen Blick auszuweichen.

"Na ja...ich bin jedenfalls hier...um...mich halt dafür...zu...entschuldigen."

Puh, jetzt war es raus...aber besser fühlen tat er sich nicht, vor allem da sich in Ulquiorras Miene nicht ein Muskel rührte...er starrte ihn einfach nur an.

Dann entspannte sich die steife Haltung des Schwarzhaarigen etwas, er ließ ein wenig die Schultern sinken.

"Ich hätte nicht erwartet, dass du deswegen extra kommst...erst recht nicht um diese Zeit.

Aber gut. Wenn du jetzt fertig bist, kannst du ja endlich gehen."

Grimmjow schnaubte entnervt, traute seinen Ohren nicht.

"Kannst du die scheiß Entschuldigung nicht wenigstens annehmen?"

Ulquiorra hob eine Braue.

"Damit du dich besser fühlst? Nein, ich denke nicht. Jeder mit ein bisschen Anstand hätte sich im Nachhinein für das, was du getan hast, entschuldigt."


Toll...das war also die Antwort auf seine mühsam herausgepresste Entschuldigung...er hätte vor dem Fernseher sitzen bleiben sollen.

Wütend funkelte er den Jüngeren an.

"Schön...du bist deswegen immer noch sauer...okay, meinetwegen! Weißt du was? Da scheiß ich drauf!"

Ulquiorra zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von diesem Ausbruch.

"Deshalb stehst du um kurz vor Mitternacht vor meiner Wohnung und schlägst wie ein Irrer auf die Tür ein?"

Okay, in Anbetracht dessen klang seine Behauptung doch ein wenig lächerlich und natürlich war es ihm nicht egal.

"Mit Irren musst du dich ja auskennen!", zischte er in einem Anflug plötzlicher Boshaftigkeit, bereute es aber sogleich, als sich Ulquiorras grüne Iriden etwas verengten.

"Verschwinde!"

So hatte das eigentlich nicht laufen sollen, weshalb er sich schnell wieder fasste und die Situation zu retten versuchte; nicht, dass er gleich wieder einen Grund für Schuldgefühle hatte.


"Ist ja gut...war nicht so gemeint, hergott noch mal!", brummte er, doch sein Gegenüber schien nicht besonders besänftigt, spießte ihn immer noch mit Blicken auf.

"Ich bin nicht hergekommen, um dich fertig zu machen, sondern weil ich weiß, dass ich...Scheiße gebaut hab."

"Das macht deine Absichten natürlich um einiges besser", kommentierte Ulquiorra mit einem Hauch Sarkasmus.

"Du kannst mich mal!"

"..."

"Und hör zum Teufel noch mal damit auf, mich so anzuglotzen...das treibt mich in den Wahnsinn!"

Als Ulquiorra ihn auch dieses Mal nur still ansah, packte er ihn grob an den Schultern und drückte ihn hart auf die Couch.

Nur mit Mühe widerstand er dem Drang, ihm die Faust ins Gesicht zu schlagen...immer diese gleichgültige Miene.

"Geh runter von mir. Sofort", hörte er ihn tonlos sagen, bemerkte aber, dass sich der schmale Körper unter ihm anspannte.

"Damit du mir wieder ausweichen kannst? Am Arsch!", erwiderte er aggressiv und ohne ihn loszulassen.


"Warum ist es dir plötzlich so wichtig, dass ich dir vergebe?", fragte der unter ihm Liegende nach einer Weile und klang dabei so ruhig wie eh und je.

"Bemitleidest du mich?"

Grimmjow stockte kaum merklich, da diese Frage auf jeden Fall gerechtfertigt war...bemitleidete er Ulquiorra? Wäre er auch gekommen, wenn er das nicht...herausgefunden hätte?

Er wusste es selbst nicht ganz.

"Ich brauche dein Mitleid nicht, Grimmjow Jeagerjaquez...was du da gelesen hast, ist-"

"Halt einfach deine Fresse, Ulquiorra!", fuhr ihm der Blauhaarige harsch über den Mund.

"Ich hab keine Ahnung, ob ich aus Mitleid hergekommen bin! Ist mir auch egal! Und wenn du jetzt versuchst, mir einzureden, dass das, was da drin stand, nichts war, schlag ich dich zusammen!"

Der Schwarzhaarige schien nicht viel auf diese Drohung zu geben.

"Es ist vorbei. Ich brauche niemanden, der in meiner Vergangenheit herumwühlt", versetzte er dann scharf.

"Ich wühle nicht in d-"

"Doch, genau das tust du...obwohl es dir nicht zusteht. Du weißt nichts über mich!"

Sie starrten einander wieder an, hasserfüllt...nicht fähig übereinzukommen.


"Ich weiß also nichts? Tse...tu nicht so! Ich habs gelesen...und ich hab diese kranken Narben gesehen. Ich weiß, was dieser Bastard mit dir get-"

"Du weißt nichts über diesen Mann! Und du weißt nichts über mich!

Denkst du, weil du einen klinischen Bericht gelesen hast, kennst du mich jetzt?

Mach dich nicht lächerlich...Abschaum!"

Grimmjow knirschte, konnte nicht fassen, wie der andere immer noch so eiskalt sein konnte...selbst bei diesem Thema.

Und was sollte dieser blöde Spruch schon wieder?

"Verteidigst du den Kerl jetzt vor mir? Muss ja richtig toll gewesen sein, was er mit dir gemacht hat...hast es wahrscheinlich richtig genossen, wenn er di-"

Er kam nicht dazu, den Satz zu Ende zu bringen, als Ulquiorra sich mit einem Mal hochstemmte, um sein Gewicht in Grimmjows Seite zu rammen, so dass dieser das Gleichgewicht verlor und von der Couch fiel.

Letztendlich lag der Ältere auf dem Boden, während der Schwarzhaarige sich nun über ihm befand, ihn festpinnte.

"Es geht dich absolut nichts an, was zwischen diesem Mann und mir vorgefallen ist."

Grimmjow schnaubte lediglich, funkelte den anderen wütend an, was nur leider keinen Eindruck auf Ulquiorra erzielte.

"Vergiss, was du gelesen hast...dann kann ich vergessen, dass du überhaupt hier warst."

Nun fühlte Grimmjow sich erst recht vor den Kopf gestoßen; wofür war er überhaupt hergekommen?

Er fühlte sich wie der letzte Vollidiot!

Aber so leicht würde Ulquiorra ihm nicht davonkommen.

Bestimmt griff er nach dessen Handgelenken, hielt ihn fest, bevor er sich erheben konnte- Smaragde bohrten sich in Saphiere und umgekehrt.


"Du bist echt sowas von anstrengend! Denkst du, ich komme hierher, weil es mir solchen Spaß macht in deiner Nähe zu sein und mir dein Geflenne anzuhören?! Du kotzt mich an! Du hast mich schon am ersten Tag angekotzt! Ich hasse dein arrogantes Getue...ich hasse es, wenn du mich so scheiße anglotzt! Und ich hasse es...dass ich dich nicht einschätzen kann!"

Tat richtig gut, das alles mal rauszulassen...wenn der Emo über ihm nicht diese dumme Frage gestellt hätte.

"Warum bist du dann hier?"

Man sah Ulquiorra nicht an, ob ihn die Worte auf irgendeine Art und Weise erreicht hatten, weil er weder wütend noch sonderlich verletzt wirkte.

Grimmjow fragte sich unwillkürlich, ob er darauf abgezielt hatte...er wusste es ebenso wenig wie die Antwort auf die gestellte Frage- aber ihm fiel etwas ein, um sich aus der Affäre zu ziehen.

"Warum hast du mich reingelassen?"

Damit hatte Ulquiorra nicht gerechnet, denn die Erwiderung kam nur zögerlich.

"Beantworte meine Frage nicht mit einer Gegenfrage, wenn du keine Antwort hast."

"Dann weich du nicht aus, indem du blöd rumlaberst!", konterte er grinsend.

"...was ist so lustig?", wurde er auch gleich darauf angesprochen, woraufhin das Grinsen schnell wieder aus seinem Gesicht gewischt wurde.

"Nichts. Beantworte meine Frage!"

"Ich habe meine zuerst gestellt."

"Arg! Na schön, du Zicke! Ich bin hier...weil...also..."

"Du solltest langsam wissen, wie man Sätze bildet."

"Halts Maul! Genau das meine ich...du bringst mich echt zur Weißglut mit deiner scheiß Art! Und...trotzdem schwirrst du immer in meiner Birne rum! Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken! Das macht mich wahnsinnig...und deshalb bin ich wohl hier."

Grimmjow fiel erst auf, wie seine Erklärung auf den anderen wirken musste, als er die Worte schon ausgesprochen hatte.

Das war einer der Nachteile, wenn man erst sprach, bevor man nachdachte.

Hoffentlich sah man ihm nicht an, wie peinlich ihm das gerade war...

"...jetzt beantworte du meine Frage", brummte er ohne ihn anzusehen.

Ein paar geschlagene Sekunden kam nichts.


"Es war still hier."

Verdutzt blickte er den Schwarzhaarigen an, verstand nicht ganz.

Wollte Ulquiorra ihm damit sagen, dass er einsam gewesen war? Niemals...oder doch?

"Deshalb hast du mich reingelassen? Weil du...einsam warst? Ich glaubs nicht..."

"Interpretier nicht zu viel hinein. Außerdem sind deine Gründe um einiges widersprüchlicher.

Es macht keinen Sinn, dass du mich hasst und gleichzeitig in meiner Nähe sein willst."

Zwei zu null für den Emo...

"Ach ja? Und was ist mir dir? Du hasst mich doch auch und lässt mich dann rein, weil du dich ja so allein fühlst...tse!"

Ulquiorra schwieg wieder einen Moment, ehe er antwortete.

"Ich habe nie gesagt, ich würde dich hassen."


Grimmjow wollte zuerst widersprechen...aber er konnte nicht, weil der Schwarzhaarige Recht hatte; er hatte nie gesagt, er würde ihn hassen.

Ganz im Gegensatz zu ihm selbst...und bei all den Sprüchen, die er Ulquiorra an den Kopf geworfen hatte, war er automatisch davon ausgegangen, selbiger würde ihn hassen.

Dass dem nicht so war...konnte er nur schwer fassen.

"Warum nicht? Du hast doch genug Gründe!", war das Beste, was ihm einfiel.

"Mir sind deine Provokationen sehr wohl bewusst. Dass ich mich dagegen wehre, heißt nicht, dass ich dich hasse."

"..."

"..."

"...rall ich nicht."


Ulquiorra ließ ein entnervtes Seufzen im Raum wiederklingen, ehe er sich erhob und den Älteren auf dem Boden liegen ließ.

Letzterer rappelte sich nun ebenfalls auf, wusste immer noch nichts mit dem Gesagten anzufangen.

Und Ulquiorra schien es auch nicht ausführlicher erklären zu wollen, blieb einfach mit dem Rücken zu ihm stehen, die Hände in den Hosentaschen vergraben.

"Hasst du diesen Kerl? Deinen Onkel?"

Eher unbedacht waren ihm diese Worte aus dem Mund gekommen und dabei wäre er wieder beim erst nachdenken gewesen...dass das auch nie funktionieren wollte.

Ulquiorras Reaktion bestand aus einem einfachen Zusammenzucken, nichts weiter...nicht mal ein böser Blick in seine Richtung.

Und als Grimmjow schon dachte, er würde gar nichts mehr sagen, tat er es doch.

"...Liebe und Hass liegen oft nah beieinander."

Mit so etwas hatte er nun gar nicht gerechnet...es machte für ihn auch keinen Sinn.

"Willst du damit sagen, du liebst das Schwe-"

"Sprich es aus und wir stehen uns in einer ähnlichen Situation gegenüber wie jener am Anfang der Woche", die Drohung war unmissverständlich.


"Ist ja gut...wusste nicht, dass du es so toll findest, gevögelt zu werden...", murrte der Blauhaarige.

"Grimmjow..."

Uh, das klang ja schon fast gereizt. Allerdings war dies dem Angesprochenen gerade ziemlich egal.

Wie konnte Ulquiorra diesen Typen auch noch in Schutz nehmen? Wegen dem war er doch so...so...ein Freak eben! Welcher normale Mensch schaute denn so belämmert drein? Nur einer mit so einem beschissenen Leben...es machte ihn einfach wütend.

"Du hast echt einen an der Klatsche! Wenn du dich nicht mal entscheiden kannst, ob du den Kerl "liebst" oder hasst...das ist einfach nur bekloppt!"

Er zuckte zusammen, als Ulquiorra herumfuhr und ihn am Kragen packte, die grünen Iriden fest auf ihn gerichtet.

"Fällt es dir nicht auf?", fragte er kalt.

"Hä?"

"Du kannst dich ebenso wenig entscheiden...jeden Tag sagst du mir, wie sehr du mich hasst.

Und jetzt stehst du seit fast einer Stunde in meiner Wohnung wegen einer läppischen Entschuldigung.

Das ist erbärmlich."

"Was soll d-"

"Das soll heißen, dass ich dir nichts verzeihe. Weder deine unverschämte Neugierde, noch dass du nicht zu deinen Worten stehen kannst. Wenn du mich hasst, Grimmjow Jeagerjaquez...dann tu es auch!

Aber sag es nicht nur so und komm dann angekrochen wie ein Hund!"


Grimmjow wankte ein wenig, als er grob zurückgestoßen wurde, war einen Augenblick lang sprachlos.

"Geh endlich."

Immer noch nicht wissend, was er darauf antworten sollte, fixierte er Ulquiorras Rücken.

Eigentlich war er hergekommen, um dieses Thema zu klären.

Ulquiorra hätte ihm die Entschuldigung abgenommen und alles wäre wie immer gewesen.

Wenn die Schule für sie wieder anfing, hätten sie sich weiterhin gehasst...wie es halt normal war.

Aber nun hatte Grimmjow das Gefühl, dass es nie wieder so wie immer werden konnte...weil er absolut keine Ahnung mehr hatte, wie er zu diesem Kerl stand.

Dank dessen Gequatsche war er nicht mal mehr sicher, ob er ihn wirklich so abgrundtief hasste.


"...schön! Ich verschwinde!", grollte er schließlich unzufrieden mit allem und wandte sich ab.

"Aber du solltest dir mal Gedanken drüber machen, wer von uns beiden erbärmlich ist!

Ich bin nicht derjenige, der allein in seiner Bude versauert und zu feige ist, jemanden zu fragen, ob er vorbei kommen will!"

Damit ging er einfach, ließ den Schwarzhaarigen allein zurück...und wie erwartet, fühlte er sich nicht erleichtert.

Mit diesem Gespräch hatte er nur neue Probleme heraufbeschworen...und er wollte nicht wissen, welche Auswirkungen das noch in Zukunft haben würde.

Es war ein Fehler gewesen, überhaupt auf Neliel zu hören und zu Ulquiorra zu gehen.

Ein Fehler...den er nun ausbaden durfte.


Quelle Animexx
Autor: lunalinn





Nichts ist perfekt auf dieser Welt.
Das mag nach einem Vorurteil klingen, aber es ist die Wahrheit.
Der gewöhnliche Mensch bewundert Perfektion und versucht diese zu erlangen.
Aus welchem Grund sollte jemand die Perfektion erlangen?
Es gibt keinen. Keinen einzigen. Nicht den winzigsten Grund.
Ich verabscheue Perfektion.
Wenn etwas perfekt ist, was bleibt einem dann noch?
Perfektion lässt keinen Raum für Träume, keinen Raum, seine Fähigkeiten und Wissen auszubauen.
               
(c) Kurotsuchi Mayuri (Bleach)

Grimmy Offline

Oko-sama


Beiträge: 4.982

03.04.2010 12:17
#3 RE: Love and hate... antworten

...close quarters

Am Sonntag schüttete es wie aus Eimern, so dass sich am Montag unter dem Schnee, der auf den Straßen lag, eine Schicht Glatteis gebildet hatte und den Schulweg zu einer ziemlichen Tortur machte.

Regen und diese Temperaturen vertrugen sich halt nicht besonders.

Ulquiorra setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, ließ sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Ohne eine Miene zu verziehen, dachte er daran, was ihm heute noch unmittelbar bevorstehen würde.

Sonst bekam er die Stunden ziemlich gut rum, indem er sich voll und ganz auf den Unterricht konzentrierte und alles andere ausblendete.

Provokationen anderer hatten noch nie auf ihn gewirkt und jemand, der sich niemals wehrte oder aufregte, wurde schnell langweilig, so dass man ihn schlussendlich in Ruhe ließ.

So war der Abschaum nun einmal.

Was allerdings nicht ins Bild passte, war der Grund seiner Suspendierung.

Es fühlte sich einfach anders an, wenn es sich um Grimmjow handelte, der seine Geduld auf die Probe stellte...und er selbst reagierte auch anders.

Vor diesem einen Tag hatte er sich noch mit niemandem geprügelt...schon gar nicht aufgrund so einer plumpen, dämlichen Aktion, die nur bewies, wie kindisch dieser Schwachkopf war.

Ulquiorra konnte sich auch körperlich verteidigen, darin lag nicht das Problem, schließlich war er während seinem Klinik-Aufenthalt praktisch zur Selbstverteidigung gezwungen worden.

Der zweite Schritt zu einem besseren, sicheren Leben, hatten sie es genannt...der erste Schritt beinhaltete mehr als genug unangebrachte Gespräche über Gefühle, die er seit Aizen Sosukes Verhaftung völlig verbannt hatte.


Die ersten drei Jahre in dieser Einrichtung für psychisch labile Fälle waren die Hölle gewesen.

Er hatte Nahrung völlig verweigert, sie ausgebrochen, wenn man ihn zum Essen gezwungen hatte und sich mehrmals mit jedem erdenklichen Gegenstand umzubringen versucht.

Aizen war der Mittelpunkt seines Lebens gewesen, eine Art Ersatz für seine toten Eltern und dass dieser Mann seinen Körper benutzt hatte, änderte nichts daran.

Für Ulquiorra war es niemals Missbrauch gewesen, sondern lediglich eine Gelegenheit, wie er dem anderen zeigen konnte, dass er ihm dankbar für das, was er für ihn tat, war.

Es wäre schön gewesen, wenn Aizen nicht diese Art von Dank gewählt hätte...hatte er aber nun einmal.

Und mit der Zeit, die sie verbracht hatten, war die unnatürliche Nähe zur Gewohnheit geworden.

Aizen war ein Faktor geworden, den er nicht mehr aus seinem Verstand löschen konnte.

Dass sie einander nie wieder sehen würden, änderte daran nichts.


Ulquiorra hatte diese Beziehung nicht gewollt...aber er hatte diesem Mann Gehorsam zollen wollen.

Inzwischen war die Erinnerung an diese Zeit nur noch wie ein verklärtes Spiegelbild...vielleicht lag es aber auch an den Medikamenten, die er gelegentlich einnahm.

Fast sieben Jahre...und es verging kein Tag, an dem er nicht an Aizen dachte.

Die Psychiater hatten von Abhängigkeit und zerstörter Psyche, Bulimie und Suizid gesprochen...aber keiner von ihnen hatte verstanden.

Sie hatten vorgegeben zuzuhören, doch wann immer sie ihre neuesten Erkenntnisse in ihrem kleinen Notizbuch vermerkt hatten, stand dort nur das, was sie hatten hören wollen.

Wenn er geschwiegen hatte, waren sie davon ausgegangen, dass er zu traumatisiert war, um mit ihnen zu reden...Ulquiorra war niemals traumatisiert gewesen.

Genauso wenig wie er verängstigt gewesen war; er hatte nur die Details für sich behalten wollen.

Aber Intimsphäre hatte es in dieser Anstalt nicht gegeben, stattdessen hatte man von ihm erwartet, ihnen alles offen zu legen, wie schrecklich es auch gewesen sein mochte.

Und je länger Ulquiorra dort war, desto mehr begann er den Abschaum zu hassen.

Den Abschaum, der nicht zuhörte, sondern auf angeblich unbestrittene Tatsachen bestand...der beweisen wollte, dass in ihm eine gebrochene Seele existierte, die danach schrie, geheilt zu werden.

Schwachsinn...Ulquiorra war schon mit acht Jahren bewusst gewesen, dass die Beziehung, die er zu diesem Mann hegte, nicht normal verlief.

Andere Kinder wurden nicht so von ihren Eltern oder Verwandten berührt...aber er hatte sich immer gesagt, dass das daran lag, weil Aizen halt etwas Besonderes war.

Und besondere Menschen hatten besondere Ansprüche...folglich war er vielleicht auch etwas Besonderes?


Heute wusste er, dass dieser Mann ihn tatsächlich nur benutzt hatte...Ulquiorra war nie etwas Besonderes gewesen, sondern einfach nur die günstigste Gelegenheit.

Vielleicht war es diese Einsicht gewesen, die ihn davon überzeugt hatte, dass es besser war überhaupt keine Gefühle zu haben.

Gefühle machten schwach und waren überflüssig.

Wenn man das erst einmal verinnerlicht hatte, wurde es einfacher...zumindest war es erträglich gewesen bis zu dem Zeitpunkt, an dem er Grimmjow Jeagerjaquez' Bekanntschaft hatte machen müssen.

Während er selbst niemandem zeigte, was in ihm vorging, schien es dieser Idiot zu bevorzugen in jedem Fall eine Szene zu machen...bei Grimmjow lief niemals etwas ganz diskret ab.

Weder ein kindisches Wortgefecht, das mehr von Schimpfwörtern als schlagfertigen Argumenten beherrscht wurde, noch eine unangebrachte Prügelei.

Wenn der Blauhaarige mit jemandem nicht klar kam, wusste das jeder...und damit stellte er das absolute Gegenteil von ihm selbst dar.

Das würde zumindest die Antisympathie erklären, die sie füreinander fühlten.


Fragte sich nur noch, was es mit diesen anderen Gefühlen auf sich hatte...es war unüberlegt von ihm gewesen, Grimmjow überhaupt reinzulassen...geschweige denn mit ihm zu reden.

Oder ihm zu sagen, dass er ihn nicht hassen würde...dass er die Stille in seiner Wohnung manchmal verabscheute und das Leben, das er tagein, tagaus führte, oftmals am liebsten beenden würde.

Hätte der Abschaum von seinen Gedanken gewusst, sie hätten ihn gleich wieder eingewiesen...und aus diesem Grund behielt Ulquiorra alles für sich, redete sich ein, dass es in seinem Herzen leer war...gab es dieses Herz überhaupt?

Physisch gesehen ja...er hörte es schlagen und es befand sich in seiner Brust, ein lebensnotwendiges Organ...vielleicht waren aber die Gefühle, die man ihm zuordnete, Wunschdenken?

Er hoffte, dass dem so war...andernfalls hätte er sich nun weiter mit ihnen auseinander setzen müssen.

Und damit auch mit Grimmjow.



Zu seiner Überraschung schien es nicht in Grimmjows Sinn zu liegen, diese Angelegenheit in der Schule zu klären, denn er ignorierte ihn.

Kaum zu glauben...aber wesentlich angenehmer.

Ulquiorra tat es ihm gleich, reagierte auf niemanden...so wie auch niemand auf ihn reagierte, während er sich an seinen Platz setzte und die Bücher rausholte.

Ein paar Mitschüler tuschelten leise, hatten wohl erwartet, dass sie sich sofort wieder an die Gurgel gehen würden...dieser Abschaum.

Eigentlich war die ganze Menschheit Abschaum...was ihm umso mehr bewiesen wurde, als sich spindeldünne Finger mit klimpernden Armreifen um seine Schulter legten und ihn zudrückten.

Er hob eine Braue, sah direkt in Nnoitra Jirugas von einem widerlichen Grinsen verzerrtes Gesicht, als er sich umdrehte.

"Sieh mal einer an, wer wieder da ist~", säuselte eben jener und der Griff um seine Schulter verstärkte sich.

"Dass du dich überhaupt hertraust...keine Angst aufs Maul zu bekommen, Emo-Schlampe?

Ey, Grimmjow! Willst du deine Busenfreundin nicht begrüßen?"

Anscheinend lag es sogar unter dem Niveau des Blauhaarigen einer so peinlichen Aufforderung nachzukommen.

"Lass mich bloß mit dem in Ruhe", hörte er ihn murren, sagte selbst nichts dazu.

Stattdessen fegte er die Hand von seiner Schulter, schenkte Nnoitra nur einen unterkühlten Blick, ehe er sich abwandte und still an die Tafel schaute.

Wahrscheinlich wäre es nicht hierbei geblieben, doch da Ochi in diesem Moment eintrat, zischte der Größere nur ein: "Nachher bist du fällig, Miststück!"

Ulquiorra verspürte weder Angst noch Wut...er war einfach nur genervt und hoffte, dass dieser Tag schnell sein Ende finden würde.

Er warf einen kurzen Blick zur Seite, sah direkt in saphirblaue Iriden, die ihn mit einem undefinierbaren Ausdruck musterten- dann wurde Grimmjow bewusst, dass Ulquiorra bemerkt hatte, dass er angestarrt wurde, woraufhin er ihm den Stinkefinger zeigte und missgelaunt zur Seite schaute.

Der Schwarzhaarige ging nicht weiter darauf ein, wandte sich Ochi, die gerade die Anwesenheitsliste durchging, zu.

Idiot.



Nach einer Doppelstunde Japanisch, einer Stunde Mathematik und Chemie, so wie Erdkunde war der Tag zumindest für ihn zu Ende.

Er nahm nie am Sportunterricht teil; dass Grimmjow diese Überbleibsel aus seiner Vergangenheit gesehen hatte, reichte schon.

Aufmerksamkeit brauchte er nicht wirklich.

Also packte er seine Sachen zusammen und schulterte seine Tasche- es hatte eine Weile gebraucht, bis er diese wieder sauber bekommen hatte.

Wie immer war er einer der letzten, die die Klasse verließen, aber das kümmerte ihn nicht; er hatte keine Lust auf das Gedrängel, das die anderen immer veranstalteten.


Es hatte wieder zu regnen begonnen, nur ein wenig, so dass er den Schirm, den er bei sich trug nicht mal aufspannen musste.

"Ulquiorra-san?"

Er hielt inne, richtete seinen Blick auf Tesla, einen Jungen aus der Unterstufe mit hellblondem Haar.

Eben jener sah ihn nun fast eingeschüchtert an, druckste merklich herum.

"...ich...also...Loly-chan geht es nicht gut...sie sitzt ja drüben und weint...ich glaube, sie hat sich verletzt...am Knie...", er deutete auf den Bereich hinter der Turnhalle.

Ulquiorras Miene blieb unbewegt, während er dem Jüngeren zuhörte.

"K-kannst du nicht...mal nachschauen...bitte?"

Der Schwarzhaarige antwortete nicht sofort, sah Tesla weiterhin an, was diesen noch nervöser zu machen schien.

"Bitte...", ertönte es abermals und die braunen Iriden huschten unsicher zur Seite.

Erbärmlich...mehr fiel dem Schwarzhaarigen dazu nicht ein, doch er sagte nichts dergleichen, ging einfach an dem Jungen, der ihn fast erschrocken ansah, vorbei.

"D-Danke! Sie ist gleich dahinten!", fand er erst seine Sprache wieder, als er bemerkte, dass Ulquiorra den Weg zur Turnhalle einschlug...sich wohl bewusst, dass Loly nicht dort sein würde.


"Ähm...seltsam...vorhin war sie noch hier", bestätigte sich seine Vermutung auch schon kurz darauf.

Ulquiorra blieb weiterhin stumm, ging gar nicht darauf ein, was der Jüngere sich da zurechtstammelte...es war ja doch gelogen.

Und den Beweis dafür bekam er auch sofort, als sich nur allzu bekannte Spinnenfinger von hinten um seine Arme schlangen und ihm diese auf den Rücken zu drehen versuchten.

Reflexartig ließ er den Kopf nach vorn fallen, nur um ihn dann mit möglichst viel Wucht nach hinten knallen zu lassen, in der Hoffnung das Nasenbein seines Angreifers zu erwischen, während er sich aus dem festen Griff zu winden versuchte.

Ein erbostes Zischen drang an seine Ohren, jedoch nicht so nasal, dass es als gebrochene Nase durchgehen konnte...folglich hatte er nicht getroffen.

Kein Laut drang über seine Lippen, als er gewaltsam gegen die Wand der Turnhalle gedrückt und mit dem Gesicht dagegen geschlagen wurde.

Er ignorierte den scharfen Schmerz, ebenso wie den in seinen Schultern.

"Du kleines Biest...", keuchte der Ältere von hinten und wieder schlug sein Kopf gegen die Wand.

"Ich hab dir ja versprochen, dass wir uns noch unterhalten werden...oder? Emo-Schlampe?"

Gemeinter erwiderte nichts, schaute stur die unsauber gestrichene Wand der Halle an und versuchte sich nicht von den schwarzen Punkten vor seinen Augen ablenken zu lassen.


"N-Nnoitra-sama...? Kann ich jetzt gehen? Ich meine, ich hab doch getan, was du wolltest...nicht?", ertönte Teslas Stimme hinter ihnen und der Angesprochene schnaubte verächtlich.

"Ja, ja, verpiss dich...und wehe, du petzt! Dann breche ich dir jeden Knochen einzeln, du Wurm!"

Ulquiorra hörte die sich eilig entfernenden Schritte, schloss die Augen; die Menschheit bestand wirklich aus nichts als Abschaum.

Egoistischem, widerlichem Abschaum.

"Machen wir es kurz, Heulsuse...im Gegensatz zu dir mach ich diesen scheiß Sportunterricht nämlich immer mit. Warum du dich da allerdings so quer stellst...denkst wohl, du hast es nicht nötig, ja?

Oder versuchst du was zu verbergen?", stichelte Nnoitra und während die eine Hand damit beschäftigt war, seine Arme festzuhalten, fuhr ihm die anderen durchs Haar, wanderte dann zum Nacken und schob gemächlich die Jacke von seinen Schultern.

"Bist du da drunter so abgrundtief hässlich wie es auch deine Bratze ist, ja?

Verstehe...du willst lieber die Klappe halten. Stehst wohl drauf, wenn man dich hart anfasst, ja?

Kleine Schwuchtel...ich reiß dir so richtig deinen schlampigen Emo-Arsch auf, du-"

"Hey!"

Der Griff um seine Handgelenke lockerte sich für einen Moment, als eine weitere, ebenfalls vertraute Stimme Nnoitra unterbrach.

Ulquiorra zögerte nicht, holte stattdessen aus und rammte dem Größeren die Ellenbogen in den Magen, woraufhin dieser aufkeuchte und ihn losließ.

"Du verdammtes Miststück!", grollte er wütend, holte mit der Faust aus- jedoch erreichte ihn diese nicht.


"Verflucht, Grimmjow! Auf wessen Seite stehst du eigentlich?! Seid ihr jetzt Kumpels, du und die Fotze?!", regte sich Nnoitra auch sogleich auf.

Doch nicht nur er war überrascht...Ulquiorra hatte mit so einer Aktion des Blauhaarigen nicht gerechnet.

Dieser schnaubte nur, ließ Nnoitra dann los.

"Such dir ein anderes Opfer, Nnoitra...das hier ist meine Beute, verstanden?

Verzieh dich! Ichimaru-sensei vermisst deinen Arsch schon!"

Zornig und unnachgiebig funkelten sie einander an, wie zwei hungrige Tiere, die sich um ein Stück Fleisch stritten...wie primitiv.

Ulquiorra wandte sich ab, richtete stattdessen seine Jacke und fuhr sich mit dem Handrücken kurz über die Lippe...aufgeplatzt war sie nicht.

Als er wieder aufsah, stierten sich die beiden anderen immer noch an.

Dann jedoch gab sich Nnoitra ungewöhnlicherweise geschlagen und trat einen Schritt zurück.

"Schön", knurrte er missgelaunt, schenkte Ulquiorra noch einen letzten tödlichen Blick.

"...du hast ihn zuerst gesehen", fügte er schließlich spöttisch an, wandte sich ab und ging in Richtung der Turnhalle zurück.

Das letzte Wort war hier noch lange nicht gesprochen.


Grimmjow ging nicht, blieb dort stehen und wich wie schon den ganzen Tag über seinem Blick aus.

Diese Situation war so absurd.

"...bild dir jetzt ja nicht ein, dass ich dir helfen wollte oder so!", brummte der Blauhaarige schließlich, sah ihn immer noch nicht an.

"Nnoitra geht mir auf die Nerven...ich wollte ihm eins auswischen, kapiert?

Das hat nichts mit dir zu tun!"

Ulquiorra schwieg, spürte, dass es wieder zu regnen anfing...und trotzdem blieben sie beide dort stehen.

Warum eigentlich? Er hatte keine Antwort.

"Verdammt! Jetzt sag endlich was! Wenigstens mal danke oder so...", murrte Grimmjow irgendwann.

Er hob lediglich eine Braue.

"Deine...Hilfe war unnötig. Und deinen Worten nach wolltest du mir auch nicht helfen...warum also sollte ich mich bedanken?"

Grimmjows Kopf ruckte hoch und zum ersten Mal an diesem Tag funkelten ihn die Saphire direkt an...direkt und ziemlich wütend.

Er seufzte innerlich; dass dieser Holzkopf aus allem immer so ein Drama machen musste.

"Unnötig?! Wäre ich nicht gekommen, hätte Nnoitra dich fertig gemacht, klar?! Tse...du hast sie echt nicht mehr!", regte sich eben jener auf und machte ein paar Schritte auf ihn zu.

Ein paar widerspenstige Strähnen fielen dem Älteren in die zornigen Augen, während er auf ihn herabsah...Ulquiorra blickte ausdruckslos zurück.

Wieder hing die Stille wie Blei in der Luft und er konnte sich den Druck auf seiner Brust nicht wirklich erklären.

Nannte man das nicht ein schlechtes Gewissen? Vermutlich...aber weshalb sollte gerade er eines haben? Und dann noch im Bezug auf Grimmjow...das war ja lächerlich.


„Dein Schweigen geht mir so was von auf die Nerven…“, hörte er den Älteren sagen, zuckte nur leicht mit den Schultern.

Was sollte er auch sagen? Es gab nichts, was sie sich zu sagen hätten.

Umso perplexer war er, als ihn zwei raue Hände an die Wand drückten…was sollte das jetzt werden?

Er zog leicht die Brauen zusammen, wehrte sich aber nicht gegen den Griff…noch nicht.

„Was soll das werden, Grimmjow?“, fragte er stattdessen und seine Stimme ließ keine Emotion wieder erkennen.

Angesprochener blickte ihn mit einem Ausdruck an, der zwischen Unsicherheit- das allein war sonderbar- und Zorn schwankte…und noch etwas, das er nicht zu deuten vermochte.

„Lass-“, setzte er zum Sprechen an, wurde aber unterbrochen.

„Damit du einfach abhauen kannst? Am Arsch, Ulquiorra! Ich hab es echt verdammt satt! Deinetwegen mach ich mich komplett zum Idioten!“

Ulquiorra entschied, ihm nicht zu sagen, dass er das schon immer gewesen war, blieb still.

„Ich meine, ich kann dich nicht mal ausstehen! Bis vor kurzem war ich mir sogar noch todsicher, dass ich dich wie die Pest hasse…aber du konntest ja deine Fresse nicht halten!

Deinetwegen werde ich noch bekloppt, du scheiß Freak!“

Scheinbar war Grimmjow nicht mal in der Lage, sich gewählt auszudrücken, wenn es sich um seine konfuse Gefühlswelt handelte…dennoch musste der Schwarzhaarige zugeben, dass es ihm ähnlich ging.

Er konnte ihn ebenfalls nicht leiden, aber hassen tat er ihn auch nicht.

Dass er ihn rein gelassen hatte, ihm zugehört hatte…widersprach seinem Verhalten.

Machte er sich somit nicht genauso zum Idioten?

„…warum erzählst du mir das?“, fragte er aber stattdessen nur.

Grimmjow blickte kurz zur Seite und der Griff lockerte sich ein wenig.

„….ich hab keine Ahnung.“

Wieder trafen sich ihre Blicke und dann…setzte irgendwas aus.


Ulquiorra wusste nicht, wie es passiert war…wer angefangen hatte oder warum es dazu gekommen war.

Er wusste nicht mal, was er dabei dachte oder fühlte…genauso musste sich ein Blackout anfühlen…nur mit Kopfschmerzen und Übelkeit.

Obwohl das trommelartige Schlagen in seiner Brust auch nicht gerade angenehm war.

Ulquiorra hatte relativ wenig Erfahrung, was diese Art von Berührungen anging…Aizen hatte meistens andere Stellen seines Körper mit den Lippen berührt.

Und es hatte sich auch völlig anders angefühlt als dieser Kuss mit Grimmjow.

Wo Aizen sanft und ruhig gewesen war, agierte der Blauhaarige ruppig und mit einer Ungeduld, die an ein Kind erinnerte, das nicht das bekam, was es wollte.

Fordernd bewegten sich die rauen, feuchten Lippen gegen die seinen, doch er selbst betätigte sich nur mäßig.

Weil er es nicht zuordnen konnte…und Grimmjow konnte es auch nicht.


Als sich dieser von ihm löste, wirkte die Situation gleich noch um einiges surrealer.

Ulquiorra war sich nicht sicher, wie er darüber denken sollte…oder ob er diese Entwicklung ihrer unsinnigen Konversation als positiv oder negativ empfinden sollte.

„Scheiße…“

Das traf es ganz gut, denn wenn eines klar war, dann dass es jetzt erst recht niemals mehr wie früher werden konnte.

Grimmjow schüttelte den Kopf und seine nassen Haare wirbelten herum, verwischten jede Spur einer annehmbaren Frisur.

Er beobachtete, wie der andere sich übers Gesicht fuhr, nach Worten suchte.

Ulquiorra atmete durch, schaute eine ganze Weile nur vor sich hin, lauschte dem Rauschen des Regens, der noch immer auf sie herabfiel.


„Liebe und Hass…liegen nah beieinander“, murmelte er irgendwann, woraufhin Grimmjow zu ihm herumfuhr.

„Damit eins klar ist, ich liebe dich nicht, verstanden?!

Das war…das war nur…“

„…ein unbedachter Fehler.“

„…ja…genau…“

Wieder blieb es einen Moment lang still zwischen ihnen.

Fehler hatten sie beide bereits zu viele gemacht, allein indem sie nicht aufhören konnten, übereinander nachzudenken.

Ulquiorra konnte sich nicht daran erinnern, sich je dermaßen mit einem Menschen beschäftigt zu haben…zumindest seit Aizen aus seinem Leben verschwunden war.

Und nun konnte keiner von ihnen beiden zurück.

Vor aber auch nicht...oder doch?

Diese Sache war viel zu kompliziert, als dass man sie einfach so abtun konnte...festgefahren war wohl das richtige Wort.

Ulquiorra hatte niemals gut mit Gefühlen umgehen können, folglich fühlte er sich überfordert.

So wie damals, als man ihn dazu gezwungen hatte, über Aizen Sosuke zu sprechen.

Am liebsten wäre er wirklich weggerannt, aber er wusste, dass er das später bereuen würde.

Weil man vor dem Leben nicht ewig weglaufen konnte.

Einholen tat es einen sowieso immer...früher oder später.


„...du hast dich nicht mal gewehrt, verdammt.“

Er blickte auf, hob eine Braue, während Grimmjows saphirblaue Augen ihn fixierten.

„Hast du das erwartet?“, entgegnete er gewohnt kühl.

Seit Grimmjow seinen Bericht gelesen hatte, beschlich den Schwarzhaarigen immer mehr das Gefühl, dass er ihn bemitleidete...dass er sich nur deshalb so seltsam verhielt.

Und Mitleid war etwas, das Ulquiorra wirklich verabscheute.

„Ich...“, er musste nicht mehr sagen.

Der Jüngere trat einen Schritt vor, packte sein Gegenüber am Kragen der dunklen Jacke, den Größenunterschied zwischen ihnen völlig ignorierend.

Grimmjow blickte ihn ein wenig perplex an.

„Ich brauche kein Mitleid, Grimmjow! Also hör auf, mich so anzusehen!“, zischte er leise, stieß ihn dann von sich.

Die Situation beinhaltete ein Déjà-vu.

Sie konnten noch Stunden hier im Regen stehen und reden...sie konnten einander nicht verstehen, waren zu verschieden.

Das Beste wäre es wirklich gewesen, wenn er sich einfach umgedreht hätte und gegangen wäre...aber bevor er das tun konnte, sagte der andere etwas.

„Ich bemitleide dich nicht, du Heulsuse! Jedenfalls...nicht nur, verdammt noch mal...denkst du, ich blick bei diesem Scheiß noch irgendwie durch?

Du treibst mich in den Wahnsinn...“, Grimmjow atmete durch und als er weitersprach, klang er ungewohnt ernst.

„...aber ich komm auch nicht ohne dich klar.

Vielleicht ist an diesem Liebe-Hass-Spruch ja doch irgendwas dran...vielleicht...keine Ahnung, vielleicht hängen wir irgendwo dazwischen.“

Er zuckte mit den Schultern, wich seinem Blick nun wieder aus, wahrscheinlich waren ihm die ausgesprochenen Tatsachen im Nachhinein doch peinlich.

Sie hingen also irgendwo dazwischen? Das konnte gut sein...denn weder hasste, noch liebte er Grimmjow...aber er war ihm auch nicht gleichgültig, wie der restliche Abschaum der Menschheit.

Das bereitete ihm Kopfschmerzen...


„Irgendwo dazwischen?“, wiederholte er schließlich leise, nickte kaum merklich.

„Vermutlich.“

Das klang besser als Liebe oder Hass, denn es erschien ihm nicht so übertrieben.

Suspekt...diese Gefühle. Ohne war man wirklich besser dran.

„Hatschie!“

Er sah auf, beobachtete, wie Grimmjow sich die Nase rieb, während ihm die triefenden Haare im Gesicht hingen- mittlerweile waren sie beide nass bis auf die Knochen.

„Scheiße...“, grummelte der Blauhaarige.

Ulquiorra seufzte stumm…es kam ihm vor, als seien sie wieder am Anfang.

Und trotzdem...war etwas anders als bisher.

Er schulterte seine Tasche, sah zu dem Älteren, welcher ihn nun wieder fixierte.

„Tu, was dir beliebt.“

Und mit diesen Worten drehte er sich um und ging nun wirklich…und dieses Mal galt es nicht als Weglaufen.

Er spürte Grimmjows ungläubigen Blick in seinem Nacken, ehe selbiger ihm mit schnellen Schritten folgte.

Aus den Augenwinkeln bekam Ulquiorra mit, wie der Ältere grinste.

„Ich glaub, ich wärm mich wieder bei dir auf…du hast doch nichts dagegen?“


Ulquiorra verdrehte innerlich die Augen, seufzte stumm.

„Doch…aber ich weiß, dass du sowieso nie das tust, was man dir vorschreibt.“

Grimmjow lachte rau auf.

„Du hast gesagt, ich kann tun, was ich will…selbst Schuld, Emo!“

Wohl wahr…

„Tropf mir nicht wieder den Fußboden voll…“

„Würde ich doch nie wagen…“

„Und fass meine Sachen nicht an.“

„Wieso? Hast du noch mehr Geheimnisse?“

„Grimmjow…“

„Okay, okay…ich hab’s ja kapiert.“


Hatte er mit hundertprozentiger Sicherheit nicht…aber Ulquiorra hatte niemals damit gerechnet, dass Grimmjow sich ändern könnte.

Idiot blieb eben Idiot, wie man auch zueinander stand.

Und trotzdem…war es irgendwie beruhigend, nicht allein nach Hause gehen zu müssen.

Anders als sonst…vielleicht sogar besser.

Das würde sich wohl mit der Zeit zeigen…aber Ulquiorra machte sich deshalb keine Sorgen.

Er hatte sechs Jahre seines Lebens verschwendet…eigentlich konnte es nur besser werden.


Grimmjow war sich nicht sicher, ob er es sich eingebildet hatte oder nicht…möglicherweise empfand er einfach zu viel Sympathie für diesen blöden Emo.

Aber trotzdem…hätte er schwören können, dass Ulquiorra soeben gelächelt hatte.

Ein kurzes Zucken der Mundwinkel…kaum merklich.

Gut, das war ein Anfang…vielleicht war die Kalkleiche ja doch noch in der Lage, sich zu ändern.

Vielleicht…war Ulquiorra gar nicht so scheiße.

Wirklich kompliziert…das mit der Liebe und dem Hass.

Aber irgendwie würde er schon noch dahinter kommen!

Quelle Animexx
Autor: lunalinn





Nichts ist perfekt auf dieser Welt.
Das mag nach einem Vorurteil klingen, aber es ist die Wahrheit.
Der gewöhnliche Mensch bewundert Perfektion und versucht diese zu erlangen.
Aus welchem Grund sollte jemand die Perfektion erlangen?
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Perfektion lässt keinen Raum für Träume, keinen Raum, seine Fähigkeiten und Wissen auszubauen.
               
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